Religionen

Marschner_Spiritualita╠łt
Deutsche wünschen sich eine Religion! Sie haben sich immer eine Religion gewünscht. Sogar die Menschen, die Katholiken nicht mochten, damit den Grund für ein Leben in Berlin fanden, in jener "Hölle", die keine Hölle sein wollte, redeten permanent über den Katholizismus - negativ - aber sie redeten über Religion. In den 70er Jahren kam der Osho - und er zog Jünger. Die gibt es noch heute. Wir Kinder machten die Menschen der Sannyas Bewegung nach, machten uns Punkte auf die Stirn, wickelten uns in Tischtücher, die leider nicht rot waren, und lachten, weil Deutsche, die so beseelt schwebend tanzten, die ihre Augen dabei schlossen, unfreiwillig komisch wirkten. Dieter hatte plötzlich einen sensationell indischen Namen, den keiner aussprechen konnte. Deutsche sind im Grunde Steiff-Tiere. Laughter is a flooding of energy. Die Bundesrepublik hat sofort Alarm geschlagen: "Jugendsekte. Kindersekte, Psychosekte, die Mitglieder manipuliert." Eine Unterlassungsklage wurde vom Oberverwaltungsgericht (NRW) abgewiesen. Im November 2008 wurde Deutschland vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte wegen der zu langen Dauer des Justizverfahrens, die gegen Art. 6 Abs. 1 der Europäischen Menschenrechtskonvention verstoßen hatte, zu einer Strafzahlung verurteilt. Heute gilt der Osho offiziell als einer der einflussreichsten Menschen, die Indien geprägt haben, natürlich neben Ghandi. Wenn ich mir heute Bilder vom Osho anschaue, dann denke ich an Snoop Dog. Das darf man bestimmt nicht sagen. Später, etwa in den frühen 90er Jahren kamen dann die Buddhisten nach Berlin. Buddha war im Grunde der religiöse Chartbreaker, auch für die Nichtreligiösen natürlich, die aus purem Interesse 'Das tibetische Buch vom Leben und vom Sterben' lasen. Mit religiösen Büchern stillt man eben einfach das pure Interesse und erweitert seinen Intellekt. Ähnlich muten Menschen heute, die so ganz unspirituell, fast bedrohlich argumentieren: "Ich habe die Bibel gelesen! Und ich habe auch den Koran gelesen!" In Deutschland denken viele Menschen noch immer, dass man heilige Schriften lesen und einfach wiedergeben muss, um dann wie ein Gelehrter auftreten zu können. Deshalb werden sehr viele Politiker ausgelacht und auch äußerst skeptisch beäugt, weil der Satz 'Der Islam gehört zu Deutschland' keinen spirituellen Zusammenhang hat, keine spirituelle Note hat. Man muss sich nur vorstellen, der Kanzler hätte damals gesagt 'Der Osho gehört zu Deutschland.' Das Verhältnis der Deutschen zu Spiritualität ist so gestört, weil sie den leibhaftigen Teufel gesehen haben. Der Ver-Führer, der Heilige, der Wahre, der Gottlose, der religiöse Zeichen verdrehte, der sogar Religiöse davon überzeugen konnte, die eine Religion auszurotten, Religiöse zu vernichten - bis in alle Ewigkeit. Claudia Roth muss sich klar den Vorwurf gefallen lassen, dass sie Geschichte nicht im Ansatz verstanden hat, dass sie Empathie mit Phrasen verwechselt, um Wähler zu fangen. Ja! Die Frage ist erlaubt: "Wofür erhält die Philosophin, Frau Carolin Emcke, das Bundesverdienstkreuz?"