Nur das Beste für die Jäste

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Der Berliner Devisenmarkt ist bekannt und feiert weltweite Erfolge. Ich wurde heute gefragt: "Was ist denn der Unterschied zwischen Deutschland und Berlin, nun-h?" Ich möchte diese doch sehr, sehr spezielle Frage beschaulich veranschaulicht beantworten. Berliner mögen ihre verschrumpelte Insel. Berlin hat sogar Ähnlichkeit mit Griechenland. Die Berliner Weisse mit Schuss muss nicht exportiert werden. Die Berliner Pfannkuchen müssen nicht den Weltmarkt erobern. Das Berliner 6-Tage-Rennen muss nicht in New York abgehalten werden. Die Berlinerismen müssen nicht übernommen werden. Berliner Gesichter beraten sich pantomimisch, wenn ein Ichwilldazugehörer Ick bin een Balina sagt, also quasi seine Gefriertasche ohne Getränke abstellt und die peinliche Pause, Resultat einer fehlenden Reaktion, nutzt, um eine San Francisco-Wende hinzulegen: "Ich weiß jetzt echt nicht-h, warum um Berlin so ein Hype gemacht wird-h. Die Stadt ist nur dreckig." Berliner bedanken sich stets herzlich für das wertvolle Rohmaterial, das für jede Party und für jede Familienfeier - durch Feilen - in die richtige Form gebracht wird. Deshalb wohnen alle meine Freunde in der 4. oder 5. Etage, also oben, also nicht zu ebener Erde. Die große Distanz erklärt sich überhaupt erst durch die Flaggen. Der Berliner Bär tapst auf weißem Tuch, zwischen zwei roten Balken. Das Gelächter ist ihm sicher. Der Berliner wiederum lacht über jene Menschen, besonders über Staatsmänner und Staatsfrauen, die die deutsche Flagge identifizieren: Schwarz. Rot. Gold. Jedes Kind sieht: Schwarz. Rot. Gelb. Die Kanzlerin regiert also klar unter einer falschen Flagge. Goldtuch ist erhältlich, ist nicht teuer, bringt Glanz in die Stube, der eingespart werden muss. Schlimm ist nicht, dass Gold vorgegaukelt wird. Schlimm ist, dass es abgekauft und übernommen wird. Obendrauf symbolisiert Gelb in der abendländischen Kultur den Neid, die Gier, die Ketzerei. Gelbe Rosen sollte man nicht überreichen, wenn man verliebt ist. Die yellow press kultiviert den Klatsch und Tratsch. Gelb verwarnt. Klimt hat Gold genommen, weil er die Frau in Gold malen wollte. Wenn das Leben in Deutschland nicht authentisch sein darf, dann darf ich sagen, dass mein heutiges Foto ein Farbfoto ist. Allerdings darf ich persönlich dann nicht erwarten, dass sich Menschen in ihrer Kultur sicher fühlen, weil sie ihre Kultur pflegen dürfen, um sie gastfreundlich anbieten zu können. Es braucht also erst eine Abschiedskultur, um eine Willkommenskultur im Bereich der Möglichkeiten zu positionieren.