Kommunikation

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Inga Humpe wird in der F.A.Z. Quarterly gefragt, welche Gabe sie gerne hätte. Ich finde die Frage langweilig, destruktiv, herablassend, blasiert, stillos dominant, uncharmant, überholt, alt, fantasielos, stumpfsinnig. Inga Humpe kann mit ihren Augen bewegen - auch Dinge. Ich höre im Auto ihre Musik und der Kaffee schwappt aus dem Becher. Da der sicher mit Preisen überhäufte Kulturreporter - Magie ist sein Ressort - diese Frage pseudoesoterisch formuliert, antwortet Inga Humpe: "Ich würde gerne Dinge mit den Augen bewegen können." Das spricht zunächst für eine äußerst miserable Recherche, die Gesprächspartner kontrollieren will, weil das reine Unverschämte nicht geduldet wird. Der gewiefte Kulturjournalist von heute hätte die Spur ongpassong aufgenommen: "Was ist mit den Hindernissen, den Entfernungen? Wie leiten die inneren Empfängeraugen einen Kaffee aus dem Autobecher?" Nein. Das möchte der Reporter nicht. Das passt ihm nicht. Wie sollen Menschen, klein und groß, ihre Gaben in die Welt bringen, wenn pseudocoole Unterdrückung waltet? Inga Humpes Gaben sind nicht genug! Sie reichen nicht! Mit welchen Gaben kann ein 15-Jähriger das Gelächter einer akademischen Kunstszene, die im Apartment von Coco Chanel die Bekleidung von Schriftstellern analysiert, umgehen? Er wird sie verheimlichen! Das macht natürlich Sinn - da diese Gesellschaft Magie und Gaben dringend benötigt. Welche Deiner Gaben zeigte sich Dir sehr deutlich - nach dem Todesfall?