Die Wahrheit

Marschner_Babelsberg
Die Wahrheit sagen. Das war und ist die größte Herausforderung in meinem Beruf. Was passiert in einer Gerichtsmedizin. Was passiert in einem Krematorium genau. Das Wort Sarg löst die größte Unruhe aus, weil das Produkt nicht überproduziert wurde. Da gab es nie eine Werbung, die einen schmackhaft eingeschweißten Sarg zeigte. Kein gesunder Mensch würde auf die kranke Idee kommen, eine Werbekampagne zu starten, die ein lachendes Kind neben einem Sarg zeigt, das mit einem lustig bellenden(*) Hund aus einem Bestattungsinstitut rennt, um das lustige Erbe anzutreten. Ich bin dagegen, dass man Kinder für Produktwerbung missbraucht, die heute nur noch den Krebs erregt, nicht aber die Eltern. Ich bin dagegen, dass Unternehmer Hunde zu Marketingzwecken einsetzen und sich Journalisten nennen dürfen. Eine Gesellschaft, die Verlagshäuser duldet, die gleichermaßen große Immobilienverwaltungen betreiben, darf keine sinkenden Mieten erwarten. Medien, die Plätze für Werbekampagnen verkaufen, sind wenigstens fragwürdig, weil die Nachricht damit ein überproduziertes Produkt wird. Nachrichten über Kinderarbeit werden unglaubwürdig, sie werden ein Witz, wenn daneben ein Kind eingesetzt wird, um abgepackten Käse zu verkaufen. Kinder und Tiere erhöhen die Verkäuflichkeit eines Produktes. Der billigste Mainstream bringt Journalisten hervor, die gegen Trump wettern, aus rein ethischen Gründen kritischst gegen Internetkonzerne, wie Google, bleiben müssen, dann doch lieber Internet-Unternehmer werden, um sich genau diesen Konzernen anzudienen. Die re:publica in Berlin macht nichts anderes. Um reich zu werden, könnten wir doch die Bundeswehr einladen. Das beißt sich leider mit dem Motto "Love out Loud". Dann laden wir eben die Carolin Emcke ein, die das ganz kritisch hinterfragt. Was Kapitalismus meint, kann jener "Journalist" im Unternehmerkostüm dann nicht mehr ausbuchstabieren. Das ist keine Challenge! Ich mag Menschen, die die Wahrheit sagen: "Ich will meine Position als Journalist ausnutzen, um mein Unternehmen anzutreiben." Ein Politiker ist wählbar, wenn er sagt: "Hamburg sollte eskalieren, damit wir die Rote Flora schließen können. Wir wollen Parkplätze bauen." Warum ist mir das wichtig? Als ich meine Räume am Am Lokdepot einrichtete, wieselten die Nachbarn über den Hof und wollten wissen, was ich in meinen hinteren Räumen, die zur Hofseite liegen, veranstalte. Ihre eigene gedankliche Verdorbenheit führte sie zu der kriminalistischen Annahme, dass ich Verstorbene dort versorge, wo spielende Kinder konfrontiert werden können. Das ist sehr bedenklich. Autonomie passt keiner Gesellschaft in den Kram, schon gar nicht der digitalen Gesellschaft. Und (*) wenn beides möglich ist, muss man die Monoflexion nicht fallen lassen. Duden statt Mainstream.