Kalter Krieg

1. this is not america
Ich habe mir heute eine Internetplattorm unter Zwang angesehen, die mich an den Kalten Krieg erinnerte. Viele Menschen fanden Berlin (West) total cool und manche sangen auch Lieder über Berlin (West): "Ich steh auf Berlin…" Ich fand den Kalten Krieg überhaupt nicht cool. Aber ich wurde auch in Berlin (West) geboren. Das ist dann sicher ein enormer Unterschied. Wenn ich heute travel ban lese oder höre, dann denke ich sofort an die Mauer, an den Kalten Krieg, an Machtspiele, an Monopole, an Drohgebärden - eben an Kälte. Politisch war Berlin (West) eine graue Insel in der DDR, die durchaus bunte Punkte hatte. Ich erinnerte mich beim Besuch auf jener InternetPlattform, auf der man Bestatter vergleichen kann, auf der sich tatsächlich Bestatter wie Gockel messen, an die Grenzen. Diese Internetfirma klingt wie Fundus. Das Logo ist ein Schmetterling, der an eine miese Tattoo-Vorlage aus den 80er Jahren erinnert, die mit einem 18er-Besen gestochen werden muss. CEO und Founder ist ein Typ, der, wie alle, wahnsinnig bei Google suchen musste, um einen Bestatter zu finden. Da kam auch ihm die Bahnbruchidee - endlich ein Internetportal ins Leben zu rufen. Vielleicht hatte der CEO wirklich keine Freunde! Ich halte die Geschichte für glatt gelogen, denn wer ein Familienmitglied verliert, kreiert später nicht den Kalten Krieg: "Seriöse" Bestatter werden gezeigt, die, wie denn eigentlich genau?, überprüft werden. Das Portal hinterlässt einen Eindruck, als wolle der CEO schnell die Kohle machen, um das Ding zügig verkaufen zu können. Bestatter ohne Foto bekommen den fetten Schmetterling gepostet. Der richtige Ramsch beginnt dann in der Arena. Sternchen und Kommentare und Preise. Man fühlt förmlich, wie der Inhaber die Erinnerungen an seine Verstorbenen hegt und pflegt. Kapitalismus ist stets daran zu erkennen, dass er ohne Werbeagenturen auskommt. Die Wortwahl erinnert nicht unbedingt an einen CEO. Vor allem das Wort integer fehlt. Dieses Wort hat er im Internet sicher nicht finden können. Ich habe eine Startup-Idee: Buchstabenhandel! Unsere Sprache wird so dermaßen herzlos - und keiner merkt es. "Musst Du eigentlich auch Leichen versorgen?" Diese Frage im Frieden klingt eindeutig nach Kalter Krieg! Ist das die Sprache, die ich meinen Kunden zumuten soll? "Leiche! 800-600-700 - höre 810 - verkauft!" Ein Autohändler, der auch vor dem Kalten Krieg tätig war, bringt das Wunder fertig, eine Mahnung, für eine belegt falsche Rechnung, also Ärger, und eine Werbemappe zeitgleich zu versenden. Das nenn ich starke Werbung, die Integrität zerstört. Schuld sind bestimmt die LINKEN.