Das Geheime

Marschner_Wall
Ich mag, neben all den offiziellen Beschreibungen über Berlin, das geheime Berlin, das versteckte Berlin. Da gibt es die Geister in der Stadt, die unbemerkt ihre Botschaften hinterlassen. Und plötzlich fällt mir eine schicke Frau ein, die ihre Beerdigung, bis zum Text für die Trauerkarten, ausformuliert hatte. "Wenn Dich das Leben nervt, streu Glitzer drauf." Das Intro für die Trauerkarten gab ihren Freunden und ihrer Familie eine neue Richtung. Eine gute Richtung, die dem System nicht in den Kram passt. Kunst arbeitet immer mit dem Tod, also mit der Vergänglichkeit. Die Künstler haben die Wand gestaltet, weil sie bereit waren, nicht weil die Wand gerade frei war. Sie waren bereit, weil sie alle systemischen Fragen verlernt haben: "Wie teuer sind die Farben? Wann wird das Kunstwerk zerstört? Welche Strafe erwartet uns? Was haben wir davon? Wer wird unsere Arbeit schön finden?" Es gibt zwei Musikstücke, die sich seit Generationen bei Trauerfeiern durchsetzen. Sie passen zur Stimmung des Landes. Sie passen zur Mentalität der Menschen. My Way ist der amerikanische Traum: Der Mann, der seine Fehler erkennt, dennoch keine wirkliche Reue empfindet. Ave Maria, an der Spitze unglaublich vieler Interpretationen, steht für die Reinigung. Ave Maria ist der unterbewußte Reset-Knopf, der Wunsch nach Unschuld durch Vergebung. Maria und Frank sind die Heiligen - seit nunmehr drei Generationen. Frank ist die Versuchung. Maria ist die Zuflucht. Der Tod löst die Spannungsfelder auf - und dann müssen wenigstens zwei Menschen über Schwellen treten. Übrigens sollte Taupe DER Farbton für Gender Mainstreaming werden - finde ich. In der Diskussion fehlen die Möglichkeiten, die Varianten, die Nuancen. Taupe spiegelt die Facetten.