Farbe bekennen

Nie würde ich meine Kundendaten im Computer archivieren, Rechnungen über Bestatterprogramme laufen lassen, meine Buchhaltung ans Netz hängen. Andere Institutionen sind mir hier völlig egal. Insofern liefern mir aushebelnde Vergleiche keine Gegenargumente. Sie liefern Ärger. Facebook liefert mir zum Beispiel eine theologische Philosophin, die sich, in ihrem "Gesicht", durch ein hausgemacht lyrisches Dressing wälzt, dabei nicht merkt, dass sie ein Grab auf dem Friedhof Stubenrauchstraße fotografierte und in ihrem "Gesicht" postet, also ausstellt. Volle Namen und Daten meiner beruflichen Trauerfälle, Daten meiner Freunde, die ich abschirme, vermanscht eine moralisch Infantile auf Facebook. Es widert mich an, derartige Eröffnungen betrachten zu müssen, die einer sonderbaren Dummheit entspringen. Kürzlich warb ein Bestatter unter der Rubrik "Kinderbestattungen" mit dem Foto eines Grabsteins, auf dem ich den Ehemann eines Hinterbliebenen erkannte, den ich betreute. Diese Eröffnungen zeigen mir meine zukünftige Brücke, für mich gezimmert, um Raubzüge, Menschenverachtung und moralische Infantilität ausdauernd und geduldig zu bekämpfen. Es geht heute nicht mehr darum, ein Haus zu erreichen, in dem eine gemütliche Couch wartet. Heute geht es darum, den Weg zu wählen, der an der gemütlichen Couch vorbeiführt.