Neue Geschichten erfinden

Marschner_Segelflieger
Die Ungewissheit ist ein Ort für die Mutigen. Trauernde sind mutig. Sie wollen nach einem Todesfall ihr eigenes Leben behalten. Ist das nicht mutig? Die Gewissheit gehört den Gauklern, den Märchenerzählern, den Fantasten. Die Mutigen erleben Geschichten, die unerzählbar verschwinden. Große Träume und Visionen. Große Gefühle und tiefe Abgründe. ES umfängt, bleibt unsichtbar, macht keinen Sinn. Das Leben hat keinen Anfang und kein Ende. Das wäre nur eine Notiz der Gaukler. Das Leben fließt durch die Generationen - frei und unverschämt. Es mischt sich ein - im universell geordneten Chaos. Das Leben ist die ständige Bewegung. Ein einziger Gedanke reicht schon aus. Der Tod. Er sagt: "Schluss. Aus. Feierabend." Doch das Leben entwischt ihm immer wieder. Noch nie konnte er das Leben schnappen. Er bekommt die Hülle. Er steht im Nebel, weil er das Leben nicht versteht. Er weiß nichts über das Leben. Beide, Leben und Tod, machen was sie wollen. Sie kommen und gehen. Sie fragen nicht. Sie bitten nicht. Sie entschuldigen sich nicht. Sie sind nicht zivilisiert - wie die Gaukler - die Fantasten - die Märchenerzähler. Wie beschreibt man die Ungewissheit? Wie fühlt sie sich an? Wo fängt die Ungewissheit an? Wo endet sie, wenn sie enden muss?