Brief an den Bürgermeister

Ich habe dem Bürgermeister geschrieben, weil ich merke, dass er keine Fachkraft ist. Ich kann nur Fachkräften folgen. Schuld haben sämtliche Lehrer und Meister in meinem Leben. Der Bürgermeister lässt unheimlich viel Arbeit liegen. Das ist natürlich nicht gut. Sein Politikbetrieb läuft nicht, weil er nicht erklären kann, wie er laufen soll. Ausbildung ist wichtig; und Bildung ist unheimlich wichtig. Ich erinnere eine freundliche Witwe, die 5 Wochen auf die Sterbeurkunden warten musste. Sie konnte ihre Witwenrente nicht beantragen, um die hohe Miete, die sie nun allein aufbringen muss, pünktlich an eine Investment-Group, also nicht an eine eine städtische Wohnungsbaugesellschaft, bezahlen zu können. Alle Lebensversicherungen ruhen, Erbschaften müssen später angetreten werden, Konten bleiben geschlossen. Natürlich möchte ich, als soziale Berlinerin, auch die Medien entlasten, die sich gerade auf den Herrn Özil stürzen, dem Deniz Yücel das Messer in den Rücken rammen, um den Herrn Erdogan zu schonen. Hinterbliebene tragen in ihrer Katastrophe den Fachkräftemangel. Darüber muss man nachdenken. Nun schlagen viele Herzen in meiner Brust, weil ich eine waschechte Berlinerin bin; und deshalb lasse ich mich nicht mit einer am Rathaus gehissten Regenbogenfahne billig einkaufen. Ich werde nicht zum Christopher Street Day gehen, wenn der Bürgermeister die Eröffnungsrede hält. Ich folge weder käuflichen Menschen noch Menschen, die im Vorstand einer städtischen Klinik Gehälter empfangen, in kultiviert bornierter Unkenntnis unlauteren Wettbewerb eskalieren lassen. Die Regenbogenfahne ist doch kein bunter Fetzen, den man durch den Kakao ziehen kann.