Der Tod wohnt in Haus 1

Marschner_umbrella
"Wir können hier machen was wir wollen." Wir ist zunächst eine multiple Ich-Erscheinung in der Einsamkeit, die stets eine Gruppe beteuert. Hier wird nicht mehr definiert. "Sie können hier machen was Sie wollen." Ein Gegenüber wird animiert, sich selbst in einer imaginären Gruppe zu sehen. Sie und hier wird ebenfalls nicht mehr definiert. Die Rede, faktisch die Schreibe ist nicht von Schwester Ewa. Eigentümer und Anwälte unterhalten sich. In der Hermannstraße (Berlin-Neukölln) beteuern Beiräte eines Hauses: "Wir machen hier im Grunde Wahlkampf!" Sie reden über einen Dämmerschlaf der Eigentümer. Am Am Lokdepot gibt es bereits eine imaginäre Task Force, Steigerung einer imaginären Projektgruppe, die sich um Fahrräder im Hof eines Hauses kümmern möchte. Echte Verwaltungen machen dann natürlich auch was sie wollen. Geschätzte Heizkosten werden über Jahre verschoben. Gelder werden auch manchmal über Jahre verschoben, von einem Haus zum anderen Haus - und wieder zurück. Mieter werden lebendig begraben: "Ruhe in Frieden. Wir mochten Dich nie!" Leben ist logisch. Der Tod ist nicht logisch. Tote können nicht reflektieren. Das ist ihre Natur. Von diesem Leid wurden sie befreit. Ein schöner Zustand im Jenseits. Eine Aufgabe im Diesseits. Die Toten müssen früher oder später verstehen, dass sie gehen müssen, dass das Leben niemals ihr Hier sein wird. Vor einiger Zeit, nach langer Zeit, begegnete mir ein Lebendengräber. Er war blass und dünn; er stand mit einer kleinen Kamera im Haus 1. Als ich ihn entdeckte, huschte er in den Fahrstuhl. Er lässt Akten beim Ordnungsamt anlegen. Die Lebendengräber bleiben immer anonym, sie stellen keine echten Fragen. Sie selbst sind falsche Echos. Sie liefern nie Argumente. Sie geben nie Statements ab. Sie haben keine Ideen. Für die Eingeklemmten, zwischen Diesseits und Jenseits, gibt es noch Hoffnung. Sie klingen so: "Unsere Kinder sollen nach Gehör schreiben. Plural 2 bleibt verboten!" Erst geht die Logik und dann geht der Mensch. Lebende und lebendig begrabene Mieter können das nicht logisch finden. Sie dürfen den Toten keine logischen Fragen mehr stellen. Lebende müssen Entscheidungen treffen! Der Albtraum, lebendig begraben zu werden, muss aus der Prophezeiung verschwinden. Sie müssen sich für das Leben entscheiden! Nicht nur ein bisschen. Nicht mit einem: JaNein. Nicht nur für heute und eventuell übermorgen.