Nichtwähler sind Totengräber der Demokratie

Der Tagesspiegel bezieht sich am 24.9.17 nicht auf Interviews, also auf eigene Arbeit. Der Tagesspiegel bezieht sich auf Internetforen. Etwa 17 Millionen Menschen werden nicht zur Wahl gehen. "Nichtwähler gelten vielen (Quellen fehlen) als Totengräber der Demokratie." Der Tagesspiegel titelt wiederum: "Nichtwähler gefährden nicht die Demokratie." Ich selbst bin eine Nichtwählerin und empfinde viele Wähler als eine große Gefahr. Ich bin Bestatterin. Ich bin keine Totengräberin der Demokratie. Das Wort "Totengräber" fand ich persönlich schon immer dumm, weil man dann auch gleich von toten Leichen reden/schreiben könnte. Allerdings weiß ich von anderen Nichtwählern, auch von anderen Wählern, dass sie nicht lebendig begraben werden möchten. Nichtwähler, so könnte man einräumen, empfinden Diktate in der Demokratie eventuell stärker als Wähler. Das könnte sein. Eine demokratische Mehrheit muss also nicht unbedingt demokratisch sein. Es könnte sein, dass viele Wähler gerne einem Diktat folgen möchten. Das könnte sein. Wer blickt schon auf sein Leben zurück und analysiert sich selbst: "Bin ich tatsächlich demokratisch?" Für mein Empfinden ist zum Beispiel die BargeldGrenze ein unglaublich dreistes Diktat, das aus dem Ehepaar Bundesregierung-Bank ein unerträglich diktatorisches Elternpaar macht. Es geht nicht um den grenzenlosen Zugriff der Finanzämter. Es geht um die Spur, die jede Kartenzahlung hinterlässt. Diese Diktatur wird sich auf den Polizeiapparat ausweiten; und dann kann man jeden Menschen beschulden und/oder verhören, weil die Bezahlung eines Biers neben einem Tatort getätigt wurde. Vielleicht haben 17 Millionen Nichtwähler das unmanipulierbare Gefühl, dass Europa ein ausschließlicher Geldpoker ist. Vielleicht haben 17 Millionen Nichtwähler das unangenehme Gefühl, dass Europa deutsch werden muss, um ein gutes Europa zu werden. Es könnte sein. Demokraten hätten Nichtwähler fragen können. Diktaturen berichten: "Nichtwähler sind die Totengräber der Demokratie." Dieser Satz klingt wie die über Generationen überlieferte Manipulation: "Negativwerbung ist die beste Werbung." Wir kaufen Produkte, die schlecht sind. Wir wählen also auch Parteien, die schlecht sind. Vielleicht fühlen 17 Millionen Nichtwähler, dass diese Gesellschaft sich von Demokratie entfernt, dass Parteien gute Programme beerdigt haben. Vielleicht wissen 17 Millionen Nichtwähler, dass man nicht nur eine Partei wählt; und vielleicht agieren 17 Millionen Nichtwähler enorm demokratisch, sozial und empathisch. Nur ein Diktator kommt auf "Totengräber der Demokratie." Ich bin demokratisch und genau deshalb konnte ich keine Partei wählen.