Das macht der Bestatter!

Marschner_Baustellen
Dieser Satz begleitet meine Arbeit auf städtischen Friedhöfen seit 25 Jahren. Wer sorgt (kommt von Sorge) ausschließlich dafür, dass Urnen und Särge rechtszeitig beim Friedhof eintreffen? Das macht der Bestatter! Wer begrüßt die Gäste auf dem Friedhof? Das macht der Bestatter! Der Bestatter begrüßt also die Trauergäste auf dem städtischen Friedhof! Wer trägt die Blumen aus der Trauerkapelle? Das macht der Bestatter! Der Bestatter trägt also die Blumen aus der Kapelle und legt sie auf einen zweistöckigen Gitterbollerwagen, der mit breiten Gummirädern ausgestattet wurde - wahrscheinlich 1960. Der Blumenwagen kostet 20,—€. Das macht die Stadt. Dagegen soll der Bestatter nichts machen, weil er mit Sanktionen rechnen muss. Wer zieht den Gitterbollerwagen zum Grab? Das macht der Bestatter! Also zieht der Bestatter den Gitterbollerwagen. Wer erhöht die Preise und minimiert die traditionelle Totenruhe? Das macht die Stadt. Zwei Sanktionen könnten Familien zu spüren bekommen. Eventuell, so bereits geschehen, schickt die Stadt einen Gebührenbescheid: DasmachtderBestatter muss die Ausübung seines Gewerbes auf dem städtischen Friedhof bezahlen. Auslagern. Ablagern. Abwälzen. Kürzlich sagte die Philosophin, Thea Dorn, in einer Sendung der Sortierten, Frau Will: "Die traditionelle Arbeiterklasse… die gibt es in der Form nicht mehr." Sie fand die SPD denkfaul. Die traditionelle Arbeiterklasse gibt es ganz sicher noch. Sie wurde hübscher gekleidet, sie hat große TV-Geräte, Mobiltelefone, Computer, Bankkonten (Lohntüte war besser) und sie hat hübsche Autos. Die Arbeiterklasse arbeitet natürlich mit moderner Technik, weil Arbeiter in anderen Ländern gnadenlos ausgebeutet werden. Arbeiter verdienen heute weniger als noch in den 1980er Jahren, kaufen, auf Kosten unbekannter Arbeiterklassen, billiges Zeug, billiges Essen, billige Kleidung. Sie zahlen nur deshalb überhohe Mieten, weil Bürgermeister Grundstücke verkaufen, die sie bebauen sollten. Asien boomt, weil wir viele Produkte importierten und importieren. Das revolutionäre Moment liegt in der Tatsache begründet, dass 2 Generationen, nach meiner Generation, Importe anschauten: Made in China. Made in Taiwan. Made in Japan. Sie sahen also nicht: Made in Germany. Made in USA. Made in France. Made in Italy. Made in Spain. Die wahre Völkerwanderung, die mit Spaß und Freude verbunden ist, geht von Deutschland nach Asien. Flüchtende, die nach Deutschland kommen, tragen keine Schuld. Und niemand will uns austauschen! Flüchtende sollen, und das ist politisch mehr als nur niederträchtig, jene chillende Revolte ausbügeln. Man kreiert nur dann einen attraktiven Standort Deutschland, wenn Löhne steigen, wenn Steuern sinken. So produziert man bezahlbare Produkte, die deshalb wertvoll sind, weil man die Ausbeutung nicht mehr schmecken muss. Menschen in städtischen Institutionen, wie Standesbeamte zum Beispiel, sollten hörbar dafür kämpfen, dass Personal eingestellt wird, das qualifiziert geschult wird, um effektiv und freundlich arbeiten zu können. Und Arbeiter sollten sich als Arbeiter zu erkennen geben. Im Moment werden sie mit hübschen Namen geschmückt. Minijobber. So ein Wort wird von bodenlos bornierten Hobby-Politikern kreiert, die Kinder ins Abseits befördern, die Kinder in größte Verlegenheit bringen. "Meine Eltern sind Minijobber."