Weglaufen geht schneller

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Rituale können auch schnell verlaufen. Sie sind zudem wirksamer. In China gibt es ein Ritual, das mich nachhaltig (dingding) beeindruckt. Zu Beginn einer Trauerfeier wird Geld verbrannt. In einer großen Schale, die vor dem Sarg steht, verbrennen die Gäste Dollars. Unmengen. Säcke. Der Finanzbeamte muss jetzt keine Schweißausbrüche bekommen, denn die Dollars werden gekauft, für weniger, weil natürlich unecht. In China sagt man: "Wenn Du alles verloren hast, dann kommt das große Glück." Der Sinn der Geldverbrennung liegt in der Befreiung - von der Materie. Das funktioniert. Ich durfte ein Geldbündel verbrennen und das hatte echte Power. Rituale können auch im Weglaufen gepflegt werden. Trauernde haben kaum Zeit für eine Reise. Sie könnten sich allerdings in der eigenen Stadt in einem Hotel einbuchen und Tourist sein - fremd - neu - ahnungslos. Wenn es Richtung Weihnachten geht, sollte man sinnvolle Orte besuchen: Halleluja. Kaum Weihnachtsdeko. Kaum Flitter. Kaum Glitter. Einfach sehr menschlich und sehr natürlich. Marcel Reich-Ranicki sagte: "Geld allein macht nicht glücklich, aber es ist besser, in einem Taxi zu weinen als in der Straßenbahn." Ihm, der Bücher und Büchelchen entlarvte, kann man bis heute vertrauen. Die Abfahrt, die Downphase kommt früh genug; und die hat einen ziemlichen Beat. Den muss man dosieren.