Existenzängste

Marschner_Friedhof_Umland
Geld kann keine Schuld tragen. Heute hat es einen enormen Wert, weil Menschen Existenzängste haben. Sie lähmen und sie spornen. Fester Boden wird plötzlich in einen Fluß verwandelt, in dem unzählige Bäumstämme treiben. Ein unsicherer Boden überträgt sich auf die Menschen. Die Situation befördert das Unterbewusstsein. Das Bewusstsein wird untergeordnet. Menschen fallen. Viele Menschen geraten unter die Baumstämme; sie suchen den Ausgang ins Bewusstsein. Manche Menschen springen schnell und geschickt über die Baumstämme. Sie suchen den festen Boden. Die nackte Existenzangst ist ein rastloser Wachzustand, der nicht endet, der das Einatmen blockiert, der den tiefen Schlaf verhindert. Die Existenzangst würfelt Erinnerungen in ungünstige Atmosphären. Im Todesfall suchen Menschen ihr Gleichgewicht. Der politische Todesfall gesellt sich. In den 90er Jahren fing der Umbau spürbar an. Arbeitsplätze wurden zerhackt. Permanent musste das Personal ausgetauscht werden. Feuerwehrleute, Polizisten, Krankenschwestern, Fabrikarbeiter, Verkäufer…Die Axt trennte alle sozialen Kontakte, die ein Arbeitsplatz anbieten konnte. Hilfsbereite Kollegen, die Dienste tauschten, die finanzielle Ungerechtigkeit bemerkten, die Tarife kannten. Heute haben sogar Menschen Existenzängste, die auf festem Boden stehen, die noch keinen Todesfall in der Familie hatten. Das dokumentiert eine überaus miserable Politik. Das Spiel mit der Angst muss ein Ende finden.