belichtet

Marschner_UN_NewYork
Stell Dir eine tolle Familie vor. Ein toller Mann, Musiker, Musiklehrer. Eine tolle Frau. Sie arbeitet in einem Kindergarten. Nebenbei macht sie Abrechnungen für eine Arztpraxis. Ein toller Sohn. Er teenaged. Eine tolle Mutter, Schwiegermutter und Oma gibt es auch. Alle sind weltoffen, locker, also ziemlich cool. Der Mann stirbt. Eine Krankheit zwingt ihn ins Lebensende. Eine Katastophe für alle. Die Familie verschweißt sich enger. Die Ehefrau nimmt einen dritten Minijob an. In Berlin sagt man: "Wir müssen jetzt über die Runden kommen." Einige Jahre später, der Tod des Mannes ist nicht wirklich verkraftet, wird seine Mutter krank. Die Schwiegertochter pflegt sie, kümmert sich selbstverständlich. Der Enkel besucht seine Oma, hilft, geht zur Schule, muss dort gute Noten zeichnen. Er arbeitet nebenbei am Tod des Vaters. Plötzlich erkrankt seine Mutter an Krebs. Krankenhaus. Chemo. Lebensumbau. Behandlungen. Stress. Sorgen. Arbeitsplätze sind unmöglich zu bestellen. Sie müssen fallen und die tolle Frau fällt in die Grundsicherung. Langsame Schritte ins Leben. Step by Step. In dieser Zeit stirbt ihre Schwiegermutter. Sie folgt vielleicht ihrem verstorbenen Sohn. Vielleicht will sie nicht zur Last fallen. Die entkräftete Schwiegertochter stürzt in den nächsten Stress. Der Enkel nicht minder. Ein Schritt nach dem anderen. Ich schreibe dem Grundsicherungsamt ein Avis, schildere die Situation, leite den Antrag auf Kostenübernahme in die Wege: "Tja. Wissen Sie…die Schwiegertochter ist nicht die erste Linie. Sie muss sich schließlich auch nicht um die Bestattung kümmern. Sie ist dazu nicht verpflichtet." Sag mal, Herr Müller, schulst Du Deine Leute, um Familien mit dummen Kommentaren zu spalten. Heißt 'arm aber sexy', dass Familien unehrenwerte Menschen werden sollen. Ladies and Gentleman, liebe Kinder, Eure Familie hat am Ende den Wert einer eingetragenen Lebenspartnerschaft. Gay People sind sO anders. We have to have it and we love to love it.