Die Moderne und Geist

Marschner_Cat
In der Moderne glauben moderne Menschen - dass ein Picknick auf einem Friedhof die Moderne modernisiert. Kinder tollen und Radler radeln und Jogger joggen. Es sind strenge Religiöse. Es sind jene Menschen, die das grüne Berlin nicht heilig genug finden. Sie wollen die tatsächliche Moderne ersticken. Das Ordnungsamt muss dem Spaß im Preußenpark endlich ein Ende bereiten. Thailänder bieten ihre Köstlichkeiten an. Das ist unhygienisch. Verkauf in einem Park ist Sünde! Die Hygiene ist heilig. Auch Öffnungszeiten sind heilig. Und so ein Markt, in einem Park, hat keine ordentlichen Öffnungszeiten. Und auf einem Friedhof wird jedes Brötchen rein, heilig und modern. Der Glaube ist nie logisch. Politik könnte logisch sein. Allerdings folgen Religiöse dem Ruf der Religiösen: "God bless America." Das klingt modern - ist aber religiös. Niemand wollte sagen: "Gott schütze Deutschland." Fundamentale Fanatiker könnten Gott besudeln. Sie könnten in den Gläubigen Faschisten erkennen. CEOs sind defakto Religiöse. Sie folgen einem Glauben - ohne wirklich etwas wissen zu wollen: "In God we trust." Unsere Kanzlerin ist die Tochter eines Pfarrers. Dieses Wissen wird ignoriert. Sie ist Physikerin. Sie ist keine Politikerin. Religiöse finden diese Wahrheit unverschämt. Die Moderne allerdings ist unverschämt. Sie kommt nicht verschämt daher. Die Unverschämten trugen stets die Verantwortung. Die Verschämten glauben. Sie glauben, dass sie auf Friedhöfen den politischen Sündenfall begraben können. Sie warten auf Gott, der sie, in welcher Gestalt auch immer, reinigt und begnadigt. "Urbane Friedhofskultur in Großstädten." Deutsche brauchen ihre Tragödien. Sie müssen leiden. Das finden sie irgendwie lyrisch. Wenn ich einen Jogger auf einem Friedhof sehe, dann weiß ich, dass er die Toten nicht sehen kann: "Wen störe ich denn hier?" Die Toten, die das Ruhen lernen müssen, lernen es nicht durch Jogger.