Glück

Marschner_over_the_Rainbow
Das Glück ist immer an die Vergänglichkeit gekoppelt. Wie schön, dass wir Zeit nicht festhalten können, dass wir einen Moment nicht wirklich wiederholen können. Sogar das Glück, das in den Erinnerungen liegt, ist mit der Vergänglichkeit verbunden. Kein Mensch formuliert seine Vergangenheit gleich, wie eine Betriebsanleitung, wie in einem Akt des Ablesens, des Abschreibens. Wenn Kinder vor den Eltern sterben, wenn sie aus der Idee eines zutiefst irdischen Zeitablaufs "ausbüchsen", dann werden sie nicht mehr älter. Meine vor vielen Jahren verstorbene Mutter ist in der irdischen Idee noch immer 37 Jahre alt. Gestern traf ich eine wunderbare Zeitzeugin, die den Zeitstrang meiner Mutter, Ihrer Generation, durchlebt erinnert. Sie sagte etwas Wunder - bares: "Wir mussten die Sprache überhaupt erst einmal finden und formen - zwischen all diesen Tabus." Sie erkämpfte sich die Erfüllung ihres eigenen Traumes und sie wurde Schauspielerin; sie erkämpfte sich die Bühnen in der Theaterwelt, die sie dann schließlich verteidigen musste. Ein giftiger Zeitstrang. Ein Labyrinth, in dem Bewertungen und Kommentare wie Schlangen auftauchten, in dem Trugbilder Wahrheit spiegelten. Jedes gebildete Unwort musste gestürzt werden. Google war der Splitter einer kleinen Scherbe. Mehr nicht. Heute möchte Google, dass ein Blog wenigstens 1000 Zeichen hat. Dieses Labyrinth ist also nur ein geklebter Spiegel, in dem man hängt, wenn man lange hineinsieht. Trauer muss selbstverständlich an die Vergänglichkeit gekoppelt bleiben, weil der Tod kein Zeuger ist. Das Leben zeugt kost-barstes Glück, weil es um die Vergänglichkeit weiß. Das Leben weiß nichts über die Ewigkeit. Es hat nicht den Funken einer Ahnung davon.