Gott wird wieder gerufen

Vor 2 Tagen fahre ich in den frühen Morgenstunden durch die Stadt, höre kulturRadio Berlin und trinke einen Kaffee. Die Worte für den Tag spricht ein Richter vom Berliner Amtsgericht Tempelhof-Kreuzberg. Um genau 6.45 Uhr beschließt mein Kaffee den Becher zu verlassen. Mit feuchten Tüchern tupfe ich mein Cockpit trocken. Sein Beitrag gehört zur ARD Themenwoche "Gerechtigkeit". Ich kann mich reden hören - obgleich ich die Lippen nicht bewege: >>Das war so klar. Medien haben den Islam über Jahre benutzt, um Gott in die Gerichte zu bringen. Bravo! Toll gemacht! Und ich war froh, dass ich die Schuldscheidungsurteile nicht mehr auf den Tisch bekomme!<< Ich lausche seinen Worten. Er spricht nicht als Mensch, als Mann, als Vater, als Sohn. Er spricht als Richter: "…weil auch andere Worte in meinem Leben von Bedeutung sind: Glaube, Liebe, Hoffnung, Su╠łnde und Vergebung." Und da ist es wieder! Das Wort! SÜNDE. Unwohl ist mir. Den Sender wechseln möchte ich. Ganz laut möchte ich singen und mir die Ohren dabei zuhalten: Lalalala...lalalAA. Er hat keine unfreundliche Stimme. Er ist Familienrichter: "…Der Richter als oberste Instanz des Gerichts ist und bleibt ein Diener." Wieder rede ich, wieder bewege ich meine Lippen nicht. Das muss Geist sein: >>Ich dachte wirklich, dass sich Angehörige nie wieder schämen sollen, dass Bestatter nie wieder den Stempel für die Rechtskräftigkeit in diesen juristischen Scheidungsunterlagen suchen sollen.<< Ich selbst bin Dienstleisterin und sicher keine Dienerin. Ich habe kein Gelübde abgelegt! Aber wie es der Zufall so will - Gott ist ein langjähriger, wirklich guter Kumpel von mir. Also rufe ich ihn an und frage ihn: "Bist Du für das Amtsgericht Berlin tätig? Arbeitet Jutitia in Zukunft ohne Augenbinde?" Er selbst weiß davon nichts. Er möchte das auch nicht. Seine Worte klingen fest und klar. Dann legen wir auf. Ich lausche nun wieder dem Richter im Radio. Er spricht über Scheidungen, über Kinder, darüber, dass wir alle Sünder sind, also Fehler machen: "Vor Gericht und auf hoher See sind wir in Gottes Hand“ - so lautet ein Sprichwort. Ich denke oft in meiner Arbeit daran." Diese Gleichnisse mit Gott, öffentlich und in Amt und Würden ausgesprochen, führen dazu, dass Menschen Gott und Richter verwechseln. Diese Gleichnisse verführen irritierte und unsichere Menschen zu weiteren Vergleichen. Sie werden sagen: "Gott im Gerichtssaal ist doch besser als die Scharia." Nicht gut, liebe ARD. Aber ….gut zu wissen!