Das Leben ist schön

Marschner_Normalitaet
Heute klingt dieser Satz zynisch. Das Leben ist schön. Sie müssen in den normalen Alltag zurückfinden. Darf ich das meinen Angehörigen noch sagen? Müsste ich heute nicht sagen: Das Leben kann schön sein, wenn Sie einen unnormalen Alltag finden. Normalität ohne Normen geht doch einfach nicht. Heute telefonierte ich mit meinem Mobilfunkanbieter, weil ich einen sehr teuren Tarif (aus dem Jahr 2016) habe. "Ja. Die Zeiten sind schnellebig. Die Tarife ändern sich einfach sehr rasant." Die junge Dame klang völlig verdreht, hatte sie doch meinen Fred Feuerstein-Tarif, der an das C-Netz erinnert, auf dem Schirm. Ich war sehr schnell mit dem Feuerstein-Tarif einverstanden: "Alles Gute für Sie. Schönes Wochenende. Klar, ich melde mich Anfang des nächsten Jahres." Ist es nicht merkwürdig, dass meine Tippfehler die Gemüter erhitzen können? Ich finde schon. Die Sprache, so meine ich auch die Körpersprache, passt oft nicht zu den Handlungen der Menschen. Harvey Weinstein - CBE - fällt und der Präsident der Vereinigten Staaten klingt wie meine Nachbarin: "Ich bin überhaupt nicht überrascht." Hört der Präsident der Vereinigten Staaten, was er da meint, da er das sagt? Herr Trump lehrt uns das Weghören. Viele Menschen glauben gerne daran, dass Freundlichkeit das genaue Gegenteil bekunden will. Unfreundlichkeit wird oft als Form der Zuneigung gedeutet. Das könnte daran liegen, dass sich Menschen nicht ernst nehmen: "Das hat er/sie nur gesagt, weil…Das hat er/sie sicher anders gemeint." Ich wünsche meinen Hinterbliebenen eine ganz und gar unnormale Zukunft.