Verabschiedet

Marschner_Oriental_Dancer
Ein Gesetz wird verabschiedet. Die Verpartnerung wird begraben. Menschen dürfen eine Ehe beschließen. Und plötzlich taucht ein Gefühl in mir auf. Es wird größer und größer, drückt auf den Magen und trennt mich vom Rest der gut gelaunten Menschen. Dieses wuchernde Gefühl trennt mich schnell von der ganzen Welt. Abschied ist auch ein Zug, der pfeift und zischt, wenn etwas endet - eine Arbeit zum Beispiel. Auf dem Bahnhof feiern die Menschen den Abschied eines Gesetzes. Der Zug fährt langsam an - die Türen sind noch nicht geschlossen. Ich laufe los und springe in den Zug. Dann setze ich mich auf eine Bank - Fensterseite. Auf der anderen Seite sitzt ein Elternpaar. Sie fahren zurück - zu ihrem Sohn. Mir gegenüber sitzt ein älterer Mann. Er fährt zurück - zu seinem ersten Freund. Alle im Zug fahren zurück. Neben dem Mann sitzt eine Frau. Sie fährt weit zurück - zu den Suffragetten. "Und Du?" Geduldig wissend dreht sie ihren vom Regen gebogenen Schirm. Ich kann ihr keine Antwort geben. Vielleicht gehört mir dieser Zug, so, wie mir meine Atemzüge gehören. Vielleicht wurde ich in einem Zug geboren. Vielleicht muss ich fahren, pendeln, einsteigen und aussteigen. Wahrscheinlich bin ich sogar eine Handlungsreisende - die auch zurückfahren muss. In Zurück leben Freunde, die sicher gerne den Bund der Ehe geschlossen hätten. "Angst vor der Ehe, was?!" Zwei junge Frauen haben uns belauscht. 'Angst vor dem Tod!', denke ich nur, schaue in die Wolken und halte meinen Weltschmerz aus.