Neulich in der Paris Bar

Marschner_Paris

Vom Flow zum Overflow

Man bekomme "einen Eindruck, welche Aggressivität von diesem Unsicherheitspersonal wohl in der Türkei ausgeht, wenn sie sich bei uns schon so aufführen". Das lasse Rückschlüsse auf "die Natur des Regimes in Ankara" zu. An keinem einzigen Tag in meinem Leben haben sich derartige Sätze in meinem Kopf gebildet. Herr Özdemir befeuert nicht die Multikultur. Er kremiert die Multikultur und befeuert, ahnungslos, die AfD. In einer Multikultur muss man fast immer auf einer "Rasierklinge" denken. Falsche Worte schneiden schnell und fies. Ein Friedhofsverwalter schaut mich seit Jahren düster an. Er ist nie erfreut…mich zu sehen. Ich kann es an seinen Blicken erkennen. (Einen) Diss formulierten Diplomaten nicht. Der Herr Ischinger sagt, dass die EU in der Außenpolitik versagt. Das ist destruktiv, stimmt aber leider. Die Schweizerische Botschaft in Berlin erklärte mir heute deutsche Bestattungsgesetze, die es nie gab. Ich erklärte der Schweizerischen Botschaft die Bestattungsgesetze der EU. Ich spürte bereits an der letzten Mail, dass der Vertreter der Schweiz mich düster anschauen wird. Bevor ich die Botschaft betrete, werde ich das BKA anrufen. Immerhin hat Präsident Erdogan ein Konto in der Schweiz. Es geht nicht um Diplomatie. Es geht um Ahnungen. Deshalb werden auf Sicherheitskonferenzen auch schreckliche Kriege prophezeit: >"Wir haben noch nie seit dem Ende der Sowjetunion eine so hohe Gefahr auch einer militärischen Konfrontation von Großmächten gehabt", sagte Ischinger.< Krieg meint Tod ohne Bestattung. Ein Prophet vermisst seine geliebte Weltpolizei, die Diplomaten stets kritisch betrachteten. Jeder scheint die Welt in Schutt und Asche denken zu wollen. Warum eigentlich? Warum skizzieren Propheten den grundlosen Tod ohne Bestattung? Und wo sind die talentierten Diplomaten, die auf "Rasierklingen" denken können?

Black Carpet

Marschner_Act

Trauer

Es gibt keine männliche Trauer. In meinen Beobachtungen erlauben sich männliche Menschen keine Trauer. Sie diffamieren weibliche Menschen. "Sie/er ist dramatisch!" Männliche Menschen halten die Stille nicht aus. Sie verzerren Trauer, sie übertreiben die unwichtigen Randgeschichten, sie inszenieren sich. Das ist keine Form der Trauer. Donna Karan ist ein typisch männlicher Mensch. In einem Interview steht sie streng und kalt auf einem roten Teppich. Sie redet darüber, dass Frauen (merkwürdiges Wort) sich selbst fragen müssen, was sie mit ihrer Kleidung ausdrücken wollen, wenn sie sich in Sinnlichkeit hüllen, in Sexiness. Sie dominiert zynisch den Raum: "Was suchen Frauen? Trouble!" Donna Karan, der männliche Mensch, verkauft tiefe Ausschnitte, kassiert das Geld und sagt auch jungen weiblichen Menschen: "Der arme Harvey. Du suchst Trouble." Trauer wird als Drama diffamiert - niemand reicht ein Taschentuch. In einem späteren Interview spielt eine verkleidete Donna Karan Mutter, Großmutter, eine Frau, die Frauen über die Maße liebt. Sie sagt wörtlich: "Das bin ich nicht! Ich bin nur unvorbereitet in dieses Interview gelaufen." 2 WOW dafür. Vorbereitet hätte sie den weiblichen Mensch sofort spielen können. Es gibt keine männliche Trauer. Trauer wird von männlichen Menschen diffamiert: "Weibisch!" Männliche Menschen erfinden unglaublich viele Spiele, um Trauer zu ersticken. Sie wird ausschließlich von männlichen Menschen sexualisiert! Das ist der peinliche Moment, in dem weibliche Menschen aufsteigen.

In Scherben reflektieren

Marschner_Grabstein

Abstraktionismus

Ich glaube, Donald Trump färbt ab. Er färbt unser Rechtssystem ein. Er unterwandert unsere Freiheit. Er tauscht uns bereits aus. Keine Panik. Die 68er leben schließlich noch. Ein junger Anwalt, keinesfalls ein Feminist, wie mein Anwalt, begegnet einer Klage so: "Mit Nichtwissen wird bestritten…" Er zweifelt öffentlich meine Firma an, er zweifelt meine Kompetenz an, er zweifelt meinen Inhaberstatus an. Der Richter, ein echter Feminist, ein echter 68er, der bestreiten würde, dass er je wirklich ein 68er war, bringt jenen Anwalt in die Realität zurück: "Ich glaube nicht, dass Frau Marschner Ihre Zeit, ihre Rechtsschutzversicherung und ihren Anwalt bemüht hätte, um ein ihr unbekanntes Geschäft zu verteidigen. Das bloße Bestreiten wird hier nicht laufen…" Der junge Anwalt sieht in seine Unterlagen und sagt sinngemäß, dass man in Deutschland mit dieser Strategie nicht vertraut sei. Er meint, dass man in einer Vertrautheit auch die Geburtsurkunde anzweifeln kann. Mein Vater war ein Feminist! Er hat meine Mutter nie angezweifelt. Nichts an ihr hat er je angezweifelt. Meine Mutter war eine Feministin! Sie hat sich selbst angezweifelt. Im Abstraktionismus glauben Menschen, dass das Leben Themen hat, die erledigt sein könnten. Das ist ein großer Irrtum. Stell Dir vor, dass jeder Jurist Dein Leben, Deine Religion, Dein Wissen, Dein Können, Deine Lebensart anzweifeln kann. Und stell Dir weiter vor, dass es keine feministischen Richter gibt, die das sofort unterbinden. Ich liebe die Generation der 68er, auch jene Zeitzeugen, die diese Zeit bezeugen. Womöglich kommt irgendwann ein Jurist daher und sagt: "Mit Nichtwissen werden die 68er bestritten." Ich bin nicht erstaunt, dass zum Beispiel das Wissen um Sterben und Tod, um Bestattung und ziemlich junge Rituale verschwunden ist. Ich glaube, dass die echten öffentlichen Gespräche dringend gefördert werden müssen. Eine sehr spannende Generation weilt - hoffentlich noch lange - unter den Lebenden. Sie müssen Geschichten überliefern.

Der lange Atem

Marschner_Rainbow