Netzwerke

Marschner_Netz
Vernetzungen werden durch Netzwerke zerstört, die künstlich angelegt wurden, die also nicht durch echte Vernetzung wild, eigentümlich, individuell entstehen konnten. Künstlich angelegte Netzwerke kann man nicht wirklich bestaunen, denn der eigene Wachstumsprozess fehlt im künstlichen Netz. Es gibt immer eine Steuerung und es gibt immer eine Bedienfläche. Menschen bedienen - einen Computer zum Beispiel. Sie schreiben, sie spielen, sie kommentieren, sie verlieren, sie pinnen und tannen, broken, bestellen und bewerten. Sie lesen, hören und lernen. Sie geben alles raus - ihre intimsten Meinungen, ihre tiefsten Stimmungen, sogar ihre Bösartigkeiten. Die Vernetzung löst sich nach und nach auf, weil sich Menschen permanent vor den Kopf stoßen. Es gab einen schönen Satz, der gänzlich verschwunden ist: "Ich habe Dir nichts erzählt, weil Du nie gefragt hast." Dieser Satz war der magische Knoten für ein spannend wachsendes Netz. In einer Steuerung gibt es Kommentare. Es gibt keine Komplimente. Deshalb gehen Komplimente verloren. Man bedient und deshalb spricht man sie einfach nie wieder aus. Der eskalierte Mensch, wie Herr Böhmermann, ist nicht mehr vernetzt. Er, abstoßend und abgestoßen, glaubt, dass er ein Meister der Satire sei. Er glaubt wirklich, dass er die Kanzlerin verklagen muss, weil sie seine Kunst zerstört hat. Frau Merkel wiederum bedient das Netzwerk von Sophia Thomalla. Ich finde dieses Coming-out gut, weil Carlo Ponti gleich viel europäischer klingt. Diese künstlich angelegten Netze zerstören die Vernetzung - auch mit einem Friedhofsmitarbeiter. Ich frage nach einem Tisch. "Nein. Auf unserem Friedhof gibt es keinen Tisch!" Ich gehe in die Nebenräume des Friedhofes und sehe einen Tisch. Eine Frau bucht in einem Berliner Krematorium die Trauerhalle für 1 Stunde. Laut Preisliste kostet diese Stunde 99,00€. Berechnet werden 4x15 Minuten für 140,00€. Heute, nach 3 Jahren, kommt eine Gutschrift für die fehlerhafte Rechnung. Die Steuerung und die Bedienfläche lassen nichts anderes mehr zu.