Meister sind gegangen worden

Ich gehe in ein Brillengeschäft. Eine kernige Brillenverkäuferin begrüßt mich kernig. Das Sie Optikermeisterin ist, spielt in diesem Land keine Rolle mehr. Das muss diese Meisterin tragen können, dass ihr Meister eigentlich für die Mülltonne gemacht wurde. Sind wir doch glücklich darüber, dass es nur eine virtuelle Mülltonne ist. Und überhaupt….den Job könnte nun wirklich jeder machen. Zum Glück kann ich sO nicht denken, weil ich selbst eine fundierte Ausbildung genossen habe. Ich habe zudem sehr lange in so richtig echten Firmen gearbeitet, in denen es Meister und Gesellen und Azubis gab. Wenn Physiker sich berufen fühlen, schon immer Politiker spielen wollten, dann passiert Folgendes: "Bibbie ist kreativ. Sie hat ein Händchen für Blumen. Ein Blumenladen bringt aber das ganz doofe Image. Bibbie wird also Blumendesignerin - ohne Geschäft. Muss nicht sein. Sie kann bei jeder Bestellung zum Blumenmarkt fahren. Das ist ihre Berufung. Der Durchbruch bleibt leider aus. Bibbie wollte aber nun dringend berühmt werden. Vorerst geht sie zum Jobcenter Berlin und beantragt eine Unterstützung. Die Sachbearbeiterin im Jobcenter bekommt die Anweisung von der Physikerin, dass die Zahlen vor den Wahlen…Wie gut, denn Bibbie wird durch eine einzige Frage ins Bestattungsgewerbe gebracht. Das ist ihre Berufung. Natürlich. Klar. Damit kann man Kohle machen. Die Berufungen häufen sich bereits. Die Mitabreiterin vom Jobcenter freut sich. Bibbie hat ein Praktikum absolviert und schon wird sie in die Selbstständigkeit begleitet. 1 Jahr lang wird Bibbies Unternehmen finanziell unterstützt. Fertig ist die Meisterin. Das gefällt mir, weil wir dann endlich die Handwerkskammer abschafffen können. Die Innung schließen wir auch ganz frech. Ich gehe also in das Geschäft einer Optikermeisterin. Sie muss nichts sagen, denn von Sekunde 1 weiß ich, dass sie die Meisterin ist. It is immer a long way to Meisterbrief. Ich erkenne die Meisterin nicht an der Kleidung. Es sind ihre sicheren und ruhigen Handgriffe. Es ist ihr Rückzug im richtigen Moment. Sie führt mich durch den Sehtest, wie es nur eine Meisterin und Unternehmerin kann. Es ist die Summierung ihrer Lehrjahre, ihrer Lebenserfahrungen, ihrer Gesellenjahre und ihrer Berufserfahrungen. Ihr Meisterbrief ist in Deutschland ein lästiger Wisch. In Japan würde sie jeder Mensch wie eine Meisterin behandeln. "Du" musst jetzt politisch klug sein: "Dann soll sie doch nach Japan gehen." Die Physikerin muss also wahrheitsgemäß sagen: "Wir sind so reich, dass wir sogar unsere Meister aus dem Land jagen können."