Die Insel

Marschner_Reederei
In einer Zelle sitzen John und Winston. Ihr Tagesablauf wird von Zwangsarbeit und den Launen des Aufsehers bestimmt, der sie mit qualvollen Arbeiten bestraft. Abends, in den wenigen Stunden vor dem Zapfenstreich, versuchen beide ihr Leben menschenwürdig zu gestalten. Für einen Unterhaltungsabend will John das Stück 'Antigone' von Sophokles aufführen. Winston will nicht die weibliche Rolle spielen, schon gar nicht in einer Zelle, die er nie verlassen wird. John überredet ihn; er zwingt ihn förmlich, weil die Aufführung seine Auflehnung gegen die Obrigkeit ist. Vor der Aufführung erfährt John, dass er begnadigt wurde. Für Winston bricht jene Welt zusammen, die er sich mühselig aufgebaut hatte, die ihn selbst vor dem Zusammenbruch schützte. Er greift John an, wirft ihm seine Freiheit vor. Sie führen ihre Fassung des Verhörs und der Verurteilung der Antigone auf. Es kommt zum Tumult. Das Ende lässt Athol Fugard offen. Tag der offenen Tür in der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch". Offen ist gut. In welchem Gefängnis sitzen Menschen, die keinen Trauerfall haben und nicht lachen können? In welchem Gefängnis sitzen Menschen, die keine Blumen verschenken können? In welchem Gefängnis sitzen Menschen, die die Kinder der Alliierten Biodeutsche nennen - und nicht Europäer? In welchem Gefängnis sitzen Menschen, die Freiheit mit Kontrollen vergiften? In welchem Gefängnis sitzen Menschen, die nicht loslassen können?