Religion

Ich hatte großes Glück, dass Influencer genau in den 80er Jahren den Electro-Pop nach Europa brachten. Menschen in Berlin gingen tanzen - einige fast täglich. Der Gang in die Diskotheken war ein Gang in die Kirchen. Last Night a DJ saved my life. Here I am…Juicy Fruit. Get ready tonight…a night to remember. Love come down. So…give me the night. Come into my life. Just be good to me. Tagsüber tanzten Skater um die Nationalgalerie. Natürlich mit Musik. Heute haben Skater auf dem Tempelhofer Feld keine Musik mehr. Das ist dann natürlich keine Religion, weil sie nicht zusammen, synchron in Ekstase kommen können. Der Funke kann nicht überspringen, weil es keine Vernetzung gibt. Insofern verstehe ich die Frage nicht: "Sollen wir jetzt etwa tanzen?" Ja. Natürlich. Vor dem Fernseher wird sich nichts bewegen. Im Gegenteil. Es kommt Müll in die Trauer. Tanzen bewegt die Trauer ins Licht. Man sollte sich einer scheinbar unpassenden Gesellschaft anschließen. 1x die Woche. 1x im Monat. Da Trauernde keinen Plan haben können, ist das gut, denn so stehen alle Türen offen. Die Trauer geht kaputt, wenn man selbst den Psychologen, den Analytiker, den Mediziner, den Schamen und/oder den Gestalttherapeuten gibt. Fachlich kompetente Experten kommen erst viele Jahre später auf den Weg eines Hinterbliebenen. Die Trauer bohrt sich ganz furchtbar in den Körper, wenn man einen Ort aufsucht, an dem es Menschen noch schlechter geht. Den Strohhalm sollte man nicht greifen, weil man sich nicht selbst belügen muss.