Große kulturelle Momente

Marschner_France
Wir brauchen Europa nicht. Wir haben Reinickendorf! C'est un grand moment de ma vie. Als Bürgermeisterin von Berlin würde ich mit Baskenmütze, wie Ernst Reuter, in die Müllerstr. 74 fahren - in einem Renault R4 - den imposanten Zaun niederreißen und über Gleichgültigkeit, Uneinigkeit und Heimkinder reden. Dann würde ich den Bezirk "Little Paris" taufen. Mit dem Rosinenbomber startete ich meinen ersten Flug über Europa hinweg, um mit dem Wurf der roten Rosenblätter in die Geschichte zu kommen. Care Pakete für die Krisengebiete in nächtlichen Flügen. Ich würde einen langen Tisch decken lassen, der sich durch ganz Europa zieht; und dann würde ich alle Europäer zu Tisch bitten. Politiker und Politikerinnen erobern heute die Herzen der Menschen mit hängenden Mundwinkeln: "Wir haben eine besondere Beziehung zu XY." Vermutlich hat nur die Kanzlerin eine politisch wetterfeste Freundin; und Baumännchen darf offenkundig keine Interviews geben, um von ihrer politischen Weggefährtin zu schwärmen. Frau Merkel nennt ihren Ehemann liebevoll MeinMannHerrSauer. Die Bürgermeister und auch die Bürgermeister von Berlin ließen/lassen SICH feiern - oder sie sind süffisant nicht zuständig. Kultur ist das, was man in Deutschland "nur" nennt. Ich bin hier nur. Er war nur. Das ist nur. Alles nur. Dieses "nur" wirft alles um; und damit stimmt die Theorie: Selbstkritik geht in Selbstzerstörung über. Maßlosigkeit ist hochkultivierter Geiz. Deshalb warf der Präsident der Vereinigten Staaten Zewa Wisch und Weg in Puerto Rico. Er hätte den Opfern des Hurrikan auch einen Scheuerlappen ins Gesicht hauen können: "In diesem Raum ist so viel Liebe… Habt noch eine gute Zeit." Im Grunde hätte Wendy Williams die Withney-Metapher bringen müssen: "Donald in Puerto Rico. Is he high?" Ich glaube, es geht uns besser, wenn wir dieses "nur" aus unserem Wortschatz streichen.