Leidkultur









Zunächst muss man wissen, dass es ein sehr großes Kompliment für mich ist, wenn man erkennt, dass dieser Blog keine Konfettikanone für eine Party ist und auch kein Lehrmittel-Blog für Bestatter. Ich betreibe keinen Shop. Ergo betreibe ich keinen SB-Markt. Womit ich beim Thema wäre. Es gibt seit Jahren eine schleichende Kriminalität innerhalb meiner Branche, die mit Phrasen verspielt und verharmlost wird. Dieses Phänomen führt mich zurück in die Schulen, um jungen Heranwachsenden, die mit dem Internet bis zur nächsten Revolution leben müssen, Aufschlüsse geben zu können. Ethik-Unterricht. Ich schrieb kürzlich über eine Struckdorfer Fotografin, die Bilder eines fremden Grabes online stellte. Sie wollte sich mit einer berühmten Verstorbenen schmücken. Eine Verwandte gab es, die überhaupt nicht davon begeistert war, dass eine Fremde ihre Geschichte in die Öffentlichkeit zerren musste. Vor einigen Jahren habe ich einen Bestatter verklagen müssen, der meinen Namen in den Quelltext seiner Website einarbeitete. Er wollte eben nicht mehr das Netzwerk über einen Link beleben. Er bediente sich, um ins Google´sche Suchergebnis zu kommen. Seine Straftat wurde selbstverständlich verurteilt. Vorgestern fand ich einen Bestatter bei Google, der im Untertext seiner Firmenanzeige ebenfalls meinen Namen präsentierte. Er kopierte aus meiner Website gleich ganze Quelltext-Stämme, die auf seiner Website im Hintergrund liefen. Ich schrieb ihm, dass er meine Daten ganz sicher aus seinen Verzeichnissen löschen muss. Ich werde Schülern, also Kindern, demnächst leider sagen müssen, dass die im Verhältnis alten Menschen in diesen Fällen unisono reagieren: "Das ist mein gutes Recht. Ich mach doch noch Werbung für Sie. Ich darf das. Fotos von Menschen, die im öffentlichen Leben…" (Gräber stehen eher weniger für das Leben). "Ihnen kommt man entgegen und Sie nehmen…Ich hatte eine Firma, die meine Website gebaut hat. Ich wusste davon nichts." Die Selbstauskünfte spulen sich immer ab, die Entschuldigung bleibt aus, die Einsicht wird also in keinem Fall kommen können; und so wird Kriminalität kultiviert - auf einer äußerst intelligenzfreien Ebene. Interessant ist für mich nur folgende Frage: Was machen solche Unternehmer noch alles mit Kundendaten? Urkunden, Ausweise, Pässe. Diese Thematik wird in meiner Branche, vielleicht auch in anderen Branchen, ausgeblendet, ignoriert und verharmlost.