Recht! Das ist Recht! Recht ist das!

Marschner_Friends
Ich bin seit vielen Jahren ziemlich stark verwundert darüber, wie schnell und problemlos Menschen Schlüssel von der Kripo erhalten, die einen Verstorbenen beschlagnahmte. Man ruft schlicht die Direktion an, sagt: "Guten Tag. Ich habe mich gerade um die Bestattung gekümmert, jetzt möchte ich den Schlüssel für die Wohnung abholen." Später kann man sagen: "Ich schlage das Erbe aus und hinterlege die Wohnungsschlüssel beim Amtsgericht." Erbrecht, reguläres Auftragsrecht, Bestattungsrecht wird ein Klumpen. Der später agierende Nachlasspfleger löst diesen Klumpen nicht auf. Er fordert die Bestattungsrechnung. Er findet die Verwandten, die sich wundern dürfen, dass aus dem Nachlass ein Fragespiel gemacht wurde: "Gab es Barmittel? Gab es Computer? Welche Wertsachen gab es denn tatsächlich?" Ich selbst weiß noch heute, dass nach dem unmittelbaren Tod meiner Mutter ein schöner Aquamarinring fehlte, also ein Andenken für meine Schwester. Schlimm war, dass die geheime Beschuldung in Gang gesetzt wurde. Der verdrehte kurze Prozess: "Hat Oma den Ring…Quatsch. Das hätte sie uns gesagt." Mein Vater sprach später kurze zeitgemäße Formeln: "Alles Beamtenärsche." Zitat meiner gepflegten Toten Ende. Das sind natürlich verkürzte Rechtsprechungen, die für kurze Prozesse stehen. Und trotzdem würde ich heute meinen, dass die Menschen in diesen Positionen von Profis geschult werden müssen. Die Geschichte: Die Bestattung einer Dame, die von einem On-the-Top-Anwalt betreut wurde - der zudem kein 3-jähriger Junge ist - wird bei einem kirchlichen Friedhof angemeldet. Der Auftrag hierzu wird immer von einem Auftraggeber unterzeichnet. Jeder Teenager weiß, dass die Eltern Handyverträge unterzeichnen müssen, wenn sie noch nicht volljährig sind. Das ist quasi der erste Rechtskundeunterricht im Auftragswesen. (Die Telefonisten sind nicht die Rechnungsempfänger.) Am Tag der Beerdigung höre ich von der Friedhofsverwalterin - ich bemerke sofort ihre gemütliche Pantolette von Romika - dass ein Doppelgrab (wie gut! Nicht das anomyme Feld ) ausgesucht wurde. Ich denke: "Sie wird sicher mit den mir Unbekannten einen neuen Vertrag geschlossen haben? Sie wird sicher hellseherisch die Erben erkannt haben? Sie wird sicher eine korrekte Rechnung übersenden? Sie muss sich beim Nachlassgericht rechtfertigen, nicht bei meinem Auftraggeber. (Der war in diesem Fall der Böse.)" Einige Zeit später bekomme ich Post vom Finanzamt. Eben jener kirchliche Friedhof hat MICH als Rechnungsempfängerin eingesetzt und pfändet eine unerklärliche Summe von MEINEM Steuerguthaben. Ich schreibe dem Finanzamt einen klaren, couragierten Brief; weil ich nicht müde bin, kläre ich den Fall. Dort fühlt sich jemand persönlich beleidigt. Mein Steuerberater, ebenfalls kein 3-jähriger Junge, erinnert das Finanzamt an meinen Rechtsschutz. Steuerzahler wissen nicht, dass das Finanzamt einen Rechtsschutz bieten muss. Er dient dem Fall. Beim Finanzamt ist einer beleidigt. Wie sinnig, denn ich muss unsinnig das Finanzgericht anschreiben. Nach 9 Monaten - ahhAA - meldet sich das Amtsgericht zum Sterbefall. Der Hausstand eines Verstorbenen kann in dieser Zeit dreimal aufgelöst werden. Ich teile dem Rechtspfleger mit, dass die Friedhofsrechnung falsch ausgestellt wurde, denn ihm selbst war es nicht aufgefallen. Das rechtswidrig gepfändete Geld der Erben wird vom Finanzamt blockiert. Am Tag X stehe ich in der Frühe auf. Ich muss nach Cottbus fahren, denn dort ist das Finanzgericht. Ich sitze tatsächlich vor 5 Richtern. Sie erscheinen wie das Amtsgericht. 5 Richter erklären mir genau, warum die Pfändung sO korrekt war. Meine Klage forderte allerdings die seit 1 Jahr geschuldete Einkommenssteuer. Ich habe gelernt, die Sachlagen nicht zu verdrehen! Ich fahre zurück nach Berlin. Cottbus ist schön. Der Bäcker war knorke. Er spendierte mir einen Kaffee. In Berlin schreibe ich dem Rechtspfleger vom Amtsgericht: "Ich stehe in der Friedhofsrechnung als Empfängerin. Ich fordere also hiermit 2789,00€ aus dem Nachlass der Verstorbenen." Das Geld der Toten, ihr Besitz, wird auf ganz hohem Niveau verschwendet. Es geht mich natürlich etwas an! Rechtskunde ist ein Teil meines Berufes! Meine Frage an die Presse: "Wie kommen Medien zu den Fakten (!), dass es einen Mangel an Richtern gibt?" Meine Frage an Wir-sind-der-Staat: "Vor wem genau soll ich mich jetzt fürchten?"