Giftgeister

Marschner_Musiker
Die Faszination an Narben, Blut und Wunden liegt stetig hoch im Kurs. Der spielerische Umgang mit dem Tod scheint das Leben zu bereichern. Seit einigen Jahren fällt mir in Berlin auf, dass die Sprachquelle komplett vergiftet wurde. Ich meine nicht die Sprache der Teenager. Ich meine einen anfallartigen Sprachschaum, der sich vor dem Mund älterer Menschen bildet. "Blöde Schlampe!" Ich befinde mich auf einem Gelände, umgeben von Bau- und Möbelmärkten. Ich werde aus schönen Gedanken gerissen, vermute, dass eine Frau von ihrem Mann angepöbelt wird. Ich drehe mich um, sehe 2 Männer, die mir auf Nachfrage bestätigen, dass sie mich meinen: "Natürlich meine ich Dich, Du blöde Schlampe. Du parkst mich da voll ein." Ich persönlich fand es nicht schlimm, dass ein erwachsener Mann den Unterschied zwischen einer reinen Fußgängerin und einer Fußgängerin, die Minuten zuvor ein Auto einparkte, nicht erkannte. Ich fand es nicht schlimm, dass er Yohji Yamamoto einen speziellen Stil andichten wollte, den er persönlich ablehnt. Der Teufel steckt im Detail. Schlimm war, dass dieser Mann eine Zimmermannshose trug! Auf einem belebten Gelände brüllte er in der Übersetzung: "Seht her. Handwerker haben keinen Überblick, keine Umgangsformen; sie fallen fremde Frauen an, weil sie sich nicht im Griff haben. Deshalb gehören sie zum politischen Abfall. Sie sind Hucker, Bauarbeiter, Biersäufer." Eine Beerdigung für Schlampen gab es nie, wird es nie geben. Es wird nur viele Menschen geben, die keine Worte mehr finden können.