Das Facebook-Erbe

Marschner_Erbe
Wohin mit dem Hass? Wohin mit dem berühmten Sh…storm? Wie oft hat der Verstorbene mein Konto angeschaut? Das System hat lange vor Facebook versagt. Beim schlichtesten Testament. Aus dem Fundus einer Volljuristin: Wenn man nicht wirklich gebunden oder verheiratet ist, sollte man ein Testament niemals dem/der Bedachten aushändigen. Die meisten Menschen vergessen es bei einer Trennung genau dort. Jemand schreibt seinen letzten Willen auf ein DINA4 Blatt und übergibt es einer bedachten Person. Nun ist ein Dreizeiler mit einer Unterschrift und einem Datum zunächst kein Testament, weil die vollständigen Daten zur Person fehlen. Da dieses Land allerdings marodiert kann Folgendes passieren: Ein Mann stirbt. Seine Eltern, seine Geschwister leben noch. Plötzlich drängt sich eine Frau in die Geschichte, die nicht mehr in die Geschichte gehört: "Ich habe ein Testament." Kein Mensch will das Testament wirklich sehen oder prüfen, weil sie das ganze Leid vehement und nur für sich beansprucht. Das inszenierte Drama funktioniert tatsächlich. Sie schickt den jüngsten Familienangehörigen in die Wohnung, der ihr Kontoauszüge und Wertsachen bringen soll, denn sie selbst ist die "Witwe". Der junge Mann ist ebenso gutmutig, wie der verstorbene Mann es war. Die Mutter und die Geschwister werden durch vollendete "Tatsachen" vollständig aus der Geschichte gedrängt. Wer nicht kämpft hat schon verloren. Nun muss aus dem uralten "Testament" ein Erbschein verwandelt werden. Die Frau wählt einen manipulierbaren Anwalt. Sie wählt den Freund des Verstorbenen. Er ist deshalb manipulierbar, weil er selbst trauert. Natürlich will er der Held am Ende der Geschichte sein. Er legt sich also mächtig ins Zeug. Die Frau, die nicht mehr in die Geschichte gehört, kommt an das Testament. Die Familie glaubt, das Amtsgericht prüft nicht, der Anwalt merkt es nicht. Glücklich ist die Geschichte wohl nicht verlaufen. Die Familie ist auf sämtlichen Kosten sitzengeblieben. Beachte Großmutters Gesetze: Immer aus der warmen Hand geben; und Facebook-Daten zu Lebzeiten regelmäßig löschen.