Leise

Marschner_Joan_Jet
Am Anfang war ein weißer Rosenstrauß. Am Ende sind es viele weiße, weiche, samtige Rosenblätter. Die Vasen auf der anonymen Wiese, die noch keine Wiese ist, integrieren sich. Eigenwilligkeiten stören sich nicht. Der rostige Sockel symbolisiert weltliche Materie, die endlich ist. Eine höhere Säule, hier aus Beton, meint das Monument, das sich immer nach einem Leben aufstellt; die Blüten stehen für das Weiche, für das Neue, für das Geheimnis in einem Puzzle. Lasse ich den Ruf der Toten von Hobbybestattern in den Schmutz zerren? Sehr sicher nicht! Möchte ich, dass Hobby-Bestatter meinen guten Ruf in ihren Schmutz ziehen? Sicher nicht. Ich zertrete meinen Ruf allein, wenn ich das gerne möchte! Ich habe ihn schließlich auch aufgebaut - den Ruf. Ich setze mir oft Kopfhörer auf und höre unheimlich laute Musik. In den Bildern, die aufpoppen, sehe ich keine Hobbybestatter. Ich sehe ein Meer aus weißen Rosenblättern, die aus Kanonenrohren schießen und die Friedhofswege bedecken. Besucher laufen auf samtweichen Blüten, die duften. Fackeln stehen am Wegesrand und leuchtende Kugeln hängen in den Bäumen. Auf einem Friedhof leben zwei weiße Elefanten, die, wann immer sie es wünschen, auftauchen. Die Friedhofsangestellten tragen weiße, sehr strikte Anzüge. Sie reichen Wasser, weiche Tücher und Kopfschmerztabletten in kleinen silbernen Schalen. Wenn es regnet kommen Schirmträger in himmelblauen Gewändern. Sie halten dunkelblaue Schirme über jeden Gast. Und dann, wenn das laute Musikstück leiser wird, weiß ich, dass ich noch am Leben bin.