Die Riesen

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Ich fühlte mich an keinem Tag meines Lebens sicher. Im Gegenteil. Die Arbeit an der Verunsicherung, die Arbeit mit der Angst, die erpresserische Arbeit an der falschen Moral, die unzählbaren Gängelbänder, das ständige operettenhafte Gelächter der Bürokratie, die gefälschten Vorbilder, die schlampig arbeitenden "Politiker", die gescheiterte und neurotisch verkleidete Bankiers ehelichten, fordern seit Jahren das Übermaß Energie der Menschen heraus - um es dann maßlos zu verschwenden. Dank dieser Eheschließung ist die Bankenstadt Frankfurt heiliger Boden. Finanzprüfer wurden dort bereits gestoppt. Vertuschung bringt keine Sicherheit. Städtische Friedhofsmitarbeiter verkünden seit Jahren: "Mir ist das alles egal. Ich arbeite noch X Jahre und dann bekomme ich meine Rente." Sie erfüllen das Credo, das 1970 versprüht wurde: "Arbeite bei der Stadt. Dann ist Deine Rente sicher. Bei der BfA - nicht bei der BSR." Für die Stadt arbeiten ist eine zu positive Vision, die verlacht wird. Ich selbst bin arrogant! Ich bin nicht etwa eine selbstbewuste Unternehmerin. Pharmakonzerne machen aus verunglückten Handwerkern Junkies, die ihr Morphium brauchen. Sehnen reißen. Bandscheiben fliegen aus der Sicherheit. Der Körper wird zum Feind erklärt. Meine eigene Krankenversicherung ist teuer, weil Frauen…Meine selbstständigen Freunde, die eine Firma leiten, gehen am Ende zur Apotheke, selten zum Arzt. Ich unterhielt mich vor einigen Jahren mit einem Notar, der sehr aufgeschlossen war. Wir unterhielten uns über verschlossene Grundbücher und über Teilungserklärungen. "Ja! Damals haben sich Bürokraten und Ehrenwerte, die Radiergummis für die Enteignungen ansetzten, nicht mit Ruhm bekleckert." Heute pfändet mich ein kirchlicher Friedhof und manipuliert klares Vertragsrecht. Bei mir entsteht der Eindruck, dass die Sache vertuscht wird. Morgen wird mein Steuerberater gepfändet, weil er mein Bevollmächtigter ist. Schließlich verschwinden auch Akten in Dessau. Ich werde gerechtermaßen skeptisch, wenn die Hausverwaltung eines Miethauses, die Fernwärme für beheizbare Flächen abrechnen soll, Gasrechnungen für Nutzflächen ungeprüft überreicht, den Fehler kultivieren, nicht korrigieren möchte. Menschen, die einen Todesfall haben, fallen in die Unsicherheit. Standesämter brauchen nicht selten 6 Wochen, um Sterbeurkunden zu schreiben. Mit den Sterbeurkunden werden Renten beantragt, auch Waisenrenten. Ich fühle mich nicht sicher, weil ich fragen muss: "Soll ich auf den Tag warten, an dem ich fälschlicherweise in Urkundengeschichten verwickelt werde?" Menschen fühlen sich nicht sicher. Viele Eltern verklagen Schulleiter und Lehrer. Sie beantragen Prozesskostenhilfe! Sie erfinden dabei nichts. Sie visionieren nicht. Die, die unbedingt zur Elite gehören möchten, müssen ihr Kind in eine Universität pushen. Tatsächliche Talente und Visionen wurden und werden auch staatlich verlacht - unterstützt durch einen verheuchelten Betroffenheitsjournalismus. Zunächst werden Arbeiter und Handwerker verhöhnt. Später werden dann die stolzen Afrikaner bemitleidet, die am Am Lokdepot die Zeitungen austragen, die bei der BSR arbeiten, die bei Edeka putzen. Die Wall Street ist einziges Vorbild. Produziert die Börse Rassismus? Ich persönlich empfinde es als Körperverletzung, dass amerikanische Handwerker und Arbeiter nach einer medizinischen Versorgung mit einer finanziellen Pleite rechnen müssen. Es ist kein Vorbild, wenn eben jene Menschen für 10 Dollar Heroin kaufen, weil die Medikamente der Pharmaindustrie unbezahlbar geworden sind. Es ist kein Vorbild, wenn die verantwortlichen Politiker sagen: "China und Mexiko sind schuld. China importiert das billigste Heroin." Deutschland braucht dringend Nachhilfe in Mathe - eher nicht die betroffene Frau Roth - eher nicht den trockenen Herrn Schulz. Wir werden die Erfinder der Mathematik um Hilfe bitten; und so fügen sich gebrochene Teile zusammen, denn das arabische al-ğabr beschreibt die Algebra. Wir befreien den Medicus. Wir laden Philosophen aus Griechenland ein. Wir übersetzen wirklich wichtige Schriften. Deutsche Philosophen sind gefällig, satt und träge. Sie berufen sich auf fremde Quellen. Sie overraten sich selbst, indem sie jenen Teil der Gesellschaft underraten, der keine Stimme hat. Wir brauchen also die Schriften der Arbeiter, der Armen, der Ungebildeten, der Alten, der Kinder, der Künstler und der Handwerker. Der Tod und die Geburt sind keine Verwandten. Sie koexistieren in der Zeit. Sie wirken im Raum. Die fehlende Gleichung ist ihr Zauber. Zwischen den Riesen wird das Leben gefesselt, gedrosselt, erstickt, gedemütigt, gejagt, gehetzt, genommen und ausgenommen. Menschen verstehen das Leben nicht. Dieses Ding ist kein Riese. Es ist nicht riesig. Man muss es gestalten, basteln, hegen und pflegen. Das ist riesig.