Unternehmer sterben ohne die Kunst

Meine Branche hätte ohne die Kunst nie überlebt. Die Musiker, die Maler, die Kunsthandwerker, die Fotografen verkörpern die Abschiede in der Tradition. Künstler unterschiedlicher Generationen agieren immer zwischen Sabotage und allen Traditionen. Jede Musik verwandelt Kummer in Erinnerung. Fotos transportieren die Vergangenheit in die Gegenwart, heben eine Idee von der Zukunft. Die eine Stilblüte in der barocken Wucht. Das wohlfeile und elegante Volumen in der absoluten Tristesse. Die bewusste Stille einer ganzen Gruppe, in einem Meer von Kerzen. Der Gesang eines Chors in der Dunkelheit. Das eine gleißende Licht in der Dunkelheit. Das Trashimplantat in der sterilen Atmosphäre. Ein Unternehmer stirbt ohne den Künstler. Und der Künstler stirbt ohne den Unternehmer. So sterben Städte! Baumeister brauchen die Künstlerin Herakut. Adidas brauchte Run DMC. Louis Vuitton brauchte Pharrell Williams. Anna Wintour hat verstanden, dass das Metropolitan Museum die VOGUE brauchte. Sie kam und siegte. Jeder Künstler braucht Unternehmer. Eine Artdirektorin, die keine Ahnung hat, aus welchem Gewebe Künstler sind, verkauft kein Kunstobjekt. Sie verkauft nur sich selbst. Sie könnte auch Brause verkaufen. Sprache ist immer auch eine Kunstform. Sprache ist keine Medizin, die mit einem Löffel in Münder geschmiert wird. Fehler gehören zur Kunst. Ich hege eine diebische Freude, wenn ich meine Fehler, an denen sich immer irgendwer ergötzen kann, noch eine Weile stehen lasse. Nichts ist so kunstvoll wie die fehlerhafte Rede eines Angehörigen, der bewegt durch Tränen aufs Papier schauen muss! Wie wird die Kunst getötet? Als ich ins Haus Am Lokdepot einzog, wusste ich, dass mein damals 75-jähriger Nachbar Künstler war und ist, der es fast ins Guggenheim Museum schaffte, aber genau diese Tradition sabotierte. Er war zu spät! Wie kann Kunst zu spät sein? Er hatte recht! Ist es nicht ein Hohn, dass ihn eine völlig verstrickte und verkniffene Art-Direktorin aus dem Haus schmeißen will, sogar in den Knast bringen wollte, weil sein italienischer Mieter mit Trüffelöl kocht. Er kocht mit Trüffelöl. Er hat also Stil. Dafür nimmt sie sich den selbsternannten Hausanwalt, der nur klagen kann, wie ein altes Waschweib. Er kann nichts. Er kann nur klagen! Ich wollte damals den Zwischenraum im Untergeschoss anmieten, der zur Garage, zum Müllraum, zum Fahrradraum führt. Es ist ein idealer Raum, um Kunst zu transportieren. Die Eigentümer, die im Echo Marquise de Merteuil spielen, sagen immer "NEIN"! Was auch sonst?! Ich merkte schnell, dass diese Eigentümer nicht rechnen können. Ich schlug also extrem früh vor, aus den Fahrstühlen Werbestühle zu machen. Spätestens hier hätte die ArtDirektorin zünden müssen. Sie schlief in ihrem Geldzimmer, jenes Gefängnis, das Künstler mit mittelmäßigen Anwälten verhindert. Was eine Ironie.