Ein Land in der Depression
10/04/26
Ich habe mich immer gefragt, warum meine Hinterbliebenen freundliche Menschen, sortierte Menschen, aufgeräumte Menschen sind. Sie hätten doch allen Grund, mich zu beschimpfen, mich zu diffamieren. Immerhin nehme ich ihnen die Geliebten weg. Meine Partner wurden nie beschimpft. Sie wurden nie falsch des Diebstahls bezichtigt. Ihnen wurde nie unterstellt, dass sie in einem Haus etwas zerstört hätten. Noch nie ist eine Mutter, die ihr Kind verlor, ausgerastet. Sie hätte doch nun wirklich jeden Bonus - sich maßlos zu betrinken. Sie könnte sogar, nur im Nachthemd bekleidet, vor meiner Tür auftauchen, um mir die Schuld zu geben. Die Schuld der Ärzte. Die Schuld eines Autofahrers, die Schuld des Vaters, der Großeltern, der Notärzte, der Lehrer, der Direktoren. Ich würde diese Schuld sogar nehmen. Warum sind meine Trauernden so freundlich? Warum sind sie so präzise in ihren Beobachtungen? Warum wirken geläuterte Menschen so rein und klar. Im Jahr 2022 gab es in Deutschland knapp 165.000 zugelassene Rechtsanwälte. Im gleichen Jahr gab es in Deutschland aber nur 22.000 Richter. Menschen könnten dadurch undemokratischer werden. "Meine wichtige Mandantin hat sich das Bauchfett absaugen lassen. Wir verklagen den Arzt, weil er das Fett weggeworfen hat. Sie fordert ihr Eigentum zurück." Welchen Wert hat 100 Gramm Menschenfett? Wir brauchen Gutachter, um die Demokratie zu schärfen. Die Bundesrechtsanwaltskammer krönt nicht die Diamanten der Branche. Das sind Anwälte, die Anwälte verklagen. Das sind Anwälte, die sich auf das Bestattungsrecht/Friedhofsrecht spezialisiert haben. Laut Statistik folgen junge Anwälte dem Mainstream Arbeitsrecht. Wahrscheinlich beraten sie Kliniken und Großkonzerne, die Arbeitsverträge zerstören, die Gewerkschaften umgehen, um Löhne zu drücken. Im Migrationsrecht finden sich auffallend wenige Zulassungen. Das ist bedenklich, denn der Juristenboom liegt im Baurecht und im Immobilienrecht. Berlin und Frankfurt verzeichnen die meisten Zulassungen. Frauen bleiben eine absolut derbe Enttäuschung. Die meisten Juristinnen spezialisierten sich nicht im Bankenrecht oder im Steuerrecht. Sie tummeln sich im Familienrecht. Es gibt zudem seit 1950 keinen registrierten Anwalt, der sich auf die expliziten Rechte der Gay-Community spezialisiert hat. Anne Klein dreht sich im Grab herum. 165.000 Juristen gegen 22.000 Richter. Das Land wird nicht demokratisch trainiert. Das Land fällt in eine Depression. Kanzlei A. möchte zu den TOP-Großkanzleien Berlins gehören. Die Kanzlei muss in einem großen Becken Türklinken putzen. Der Partner der Kanzlei A., Herr Körperklaus, hat eine Eigentumswohnung, die ihm zu 70% gehört. Seine Kanzlei mischt sich in die Belange einer demokratischen Gemeinschaft ein. Sie generiert Klagen, um Geld erwirtschaften zu können. Das ist ihr Job, aber nicht ihr Beruf. Korruptive Strukturen entstehen, indem man den Juristen der Kanzlei A. im Haus als Beirat einsetzt; der alle zwei Jahre Verwalter disst, die nicht gefällig arbeiten. "Herr Körperklaus, können sie uns nicht die Klage gegen den Bauträger an Land ziehen?" Das kann er. Er muss nur einen Verwalter finden, der, an der Gemeinschaft vorbei, Beraterverträge schließt. Er braucht nur einen Nerd, der Generalvollmachten unterzeichnet, der Kontovollmacht hat. Er findet einen depressiven Spezial-Nerd, der Smileys braucht, um lächeln zu können. Er hat schwere Identitätsprobleme, die er in fünf verschleierten Anschriften sucht. Das Internet sorgt seit 1990 sorgfältig für die Zerstreuung jeder noch so kleinen Gemeinschaft. Jedes Arschproblem wird ausdiskutiert. Kriege flimmern durcheinander. Es ist völlig egal, wenn der manische Donald Trump eine komplette Zivilisation auslöschen möchte. Morgen gibt es den Iran nicht mehr. Das interessiert in einer Depression nicht. Geliftete Ärsche liegen hoch im Kurs. Die müssen nur noch laute Geschichten erfinden und in ihre manische Phase kommen: "Am Lokdepot wurden Kakerlaken gesichtet. Wir müssen das italienische Bistro auslöschen. Der Kammerjäger muss kommen! Der Eigentümer muss unter Druck gesetzt werden! " Mit Auftauchen der Wahrheit fällt der Verwalter-Nerd zurück in seine Depression: "Eine Eigentümerin bedroht mich. Hilfe, ich bin ein Opfer. Helft mir." Tatsächlich sind beide aus einem Holz. Sie rennen zu Anwälten, die ihre schlaffen Ärsche liften sollen. Das ganze zahlt dann die Gemeinschaft und die Kanzlei A. generiert Einnahmen. Jetzt weiß ich, warum meine Trauernden so freundlich sind. Der Tod erinnert sie an das Leben in Freiheit. Er folgt den Gesetzen.
Ostern
06/04/26
Ostern ist mit Religionen verknüpft. Christen feiern die Auferstehung Jesu Christi am Ostersonntag. Er hat den Tod überwunden und den Menschen ewiges Leben ermöglicht. Es ist der Sieg des Lebens, der Liebe und des Guten über den Tod und das Böse. Es bietet die Hoffnung auf einen Neuanfang und die Versöhnung mit Gott. In Berlin verspüren Menschen nicht so unbedingt eine Lust darauf, die christliche Variante zu feiern. Das kann an einem Popen liegen, der kurz nach dem Zweiten Weltkrieg die jüdische Glaubensgemeinschaft aufforderte, sich nun bitte endlich zu Jesus Christus zu bekennen. Mit so einem Spruch gehen Berliner gleich aus der Geschichte raus: "Was will der uns denn hier bitte für ein Ei ins Nest legen?!" In Berlin ging es also eher um das Ei im Nest. Das Ei ist das Grab, aus dem neues Leben schlüpft. Das Ei symbolisiert Anfang und Ende. Nicht das Huhn wurde durch Ostern populär. Wegen seiner Fruchtbarkeit wurde der Hase im 17. Jahrhundert als Eierbringer populär. Das ist für Berliner nicht schlüssig. Trotzdem haben wir den Hasen übernommen, wir lasen und lesen Kindern die Hasenbücher vor. Ohne jeden Zweifel ist der Hase ein nettes und sympathisches Geschöpf Gottes. Am Lokdepot feiern die Menschen kein Osterfest. Nicht ein Strauch, nicht ein Bäumchen ist mit Eiern geschmückt. In den Foyers der Häuser gibt es keinen Hinweis auf Ostern. Der im Brutalismus hausende Kapitalismus ist nicht fruchtbar. Es gibt kein Werde. Es gibt nur das Ende, in dem kein Anfang wohnt. Mittlerweile gibt es fünf Anwälte für 3 Häuser, die im Kern gegen einen Juristen im Haus vorgehen, der die Nester beschmutzt. Er lächelt falsch und zieht Geld aus der Anlage. Er spielt den Umverteiler. Er ist ein Intrigenspinner, er ist ein Denunziant. Er erklärt sogar die Belüftungsanlage des Hauses zum Sondereigentum. Krankhaft lanciert er Klagen. Er greift mit seinen schmierigen Händen in den Gemeinschaftstopf und spielt Kumpel für seine Follower. Er erklärt den Bewohnern, dass ich gegen die Gemeinschaft kämpfe. Seine beste Nestbeschmutzer-Freundin, die ihre Wohnungsschäden über die Gemeinschaft finanzieren wollte, will sich nun aus den Straftaten ziehen. Sie fällt ihm in den Rücken. Der Kapitalismus ist die Banalität des Bösen. Sie wird von einer noblen und großen Ku-Damm-Kanzlei vertreten. Die wissen noch nicht, dass auch gegen ihre Mandantin ein Strafverfahren läuft. Das erinnert an Frau Lohfink: "Isch gehe zu Gucci und kaufe eine Tasche….also bin ich endlich jemand!" Gucci muss sich keine Sorgen um den eigenen Ruf machen. Gucci nimmt auch das Geld von Frau Lohfink. Balenciaga verkauft Mülltüten für fast 2.000 US-Dollar. Die gelbe Plastiktüte von Balenciaga ging viral, weil die Firma im Gespräch bleiben will. Das ist kein Marketingkonzept. Das ist die Banalität des Bösen. Diese Mülltüte auf dem Laufsteg sagt: "Ihr fresst jetzt unseren Dreck. Und ihr bezahlt jeden Preis dafür. Wir beschmutzen unser Nest selbst, dafür brauchen wir Euch nicht mehr. Wir ruinieren Handwerk. Wir ruinieren Kunst. Wir zeigen Euch, wie dämlich ihr seid. Und jetzt legt Euch unsere Mülltüten ins Osternest!" Erich Kästner, der heute winzig klein und unglaublich unbedeutend wirkt, sagte: "Es gibt nichts Gutes, außer: Man tut es." Kein Arbeiter und kein Handwerker begeht Ostern. Sie können es nicht. Der Kapitalismus hat ihre Nester beschmutzt, besudelt und geplündert. Der Hase ist kein Trampeltier, das werben muss, das provoziert, das sich bis unter die Zähne bewaffnet, um seine Fruchtbarkeit zu demonstrieren. Er verkauft seine Eier nicht für 2.000 Euro, um ein jämmerlicher Rammler zu werden. Jene, die Plastiktüten fressen, arbeiten am Ende für ihn.
Die Realität
02/04/26
Als in Berlin das Tafelsilber verkauft wurde, hat die Stadtverwaltung die eigene Stadt nicht vorbereitet: Herzlich Willkommen in Berlin, es gibt keine Wohnungen; und wenn es Wohnungen gibt, dann sind Verwalter Gärtner und Vermieter Ungebildete und soziale Analphabeten, die unschuldig in der Stadt rumschrauben. Die öffentlich rechtliche Handwerkskammer hat geschlafen. Wer einen Fußboden von einer Fachfirma verlegen lassen möchte, bekommt unter Umständen einen Krimi. In drei aufeinanderfolgenden Fällen trumpften Menschen bei Gericht laut auf, die mit falschen Adressaten arbeiteten. Ein Fußbodenverleger, der ein GmbH-Karussell betreibt, klagt mit einer geschlossenen Firma und einer nicht existenten Geschäftsführerin. Nur Meisterbetriebe dürfen Fußböden verlegen. Der BGH sagt zu Scheingeschäftsführern klar: Wer Bomben legt, haftet auch nach Ausscheiden aus einer GmbH, wenn es explodiert. Ein Hausverwalter triumphiert im Porsche. Tatsächlich hat er ein Berufsverbot. Offiziell ist er also Gärtner, was eine Schande für ausgebildete Gärtner ist. Den Finanzämtern entgeht er durch diverse Scheinanschriften in Berlin und Brandenburg. In Teltow sind bereits diverse Briefkastenfirmen aufgeflogen. Die meisten Wohnungskäufer, die Großgrundbesitzer spielen, haben keinen blassen Schimmer von der Materie. Am Lokdepot sind solche Käufer. Eine dieser Käuferinnen, die die Teilungserklärung mit rechten Käseblättern verwechselt, verklagte meine Firma. Sie klagte, große Überraschung, mit falschem Adressat. Ihre Rufmordkampagne findet ihre Vorbilder auch bei weiblichen Ausläufern, die den Kachelmann vernichten wollten, die den Hotelmanager des Westin Hotels in Leipzig in den Suizid treiben wollten. Berliner Gerichte waren und sind nicht vorbereitet. Die Fälle, die manisch auch Steuergelder verbraten, laufen Jahre über Richtertische, laufen Jahre durch Instanzen. Richter und Richterinnen können nicht mehr für Ordnung sorgen! Immer da, wo viel Geld laut rotiert, finden sich auch Narzissten, Soziopathen und Psychopathen ein. Ihr Nest war immer die Börse. Ihr Nest war immer die Politik. Ihr Nest war immer die große Wirtschaft. Hatte das LKA, das BKA einen Plan? Hatten die Finanzbehörden, die Zollbehörden einen Plan? Hatten städtische Meldebehörden einen Plan? Hatte die IHK einen Plan? Hatte die Handwerkskammer einen Plan? Nein. Sie alle hatten keinen politischen Plan. Wer also räumt die Behörden auf? Niemand wird die Behörden aufräumen, denn niemand war je zuständig. Ein fragwürdiges Konstrukt lässt dies per se nicht zu. Fast jedes berliner Gericht hat mittlerweile eine Präsidentin. Sie räumen nicht auf. Zu schwer war der interne Weg nach oben, zu heftig die internen Demütigungen, zu schwer die internen Diffamierungen. Wenn Präsidentinnen jetzt aufräumten, müssten sie jene Peiniger verabschieden, die sie nach oben getragen haben. Das Wenn-Dann-Spiel funktioniert in typisch deutschen Clan-Strukturen, funktionierte in typisch amerikanischen Clan-Strukturen um Harvey-Weinstein, funktioniert in jedem noch so kleinen Machtgetriebe. Nun gibt es viele Menschen, die denken, dass ich Schlimmes befürchten muss. Sie denken, dass das System sich rächen wird. Sie denken tatsächlich, dass Deutschland ein täterfreundliches Land ist, welches Täter milde behandelt. Dafür gibt es viele Beispiele. Demokratische Menschen denken bereits in Opferstrukturen. Sie wollen mich in ihre Opferrolle bringen, um mich zu schützen. Wenn ich doch aber zur Tat schreite, muss ich doch dieses System nicht fürchten. Oder muss ich die Rache einer Richterin befürchten? Ich denke nicht, dass das die Realität ist. Ich denke, dass sie mich mögen. Sie haben mich sogar richtig gerne. Ich denke, dass sie sich bei mir bedanken werden….eines Tages.
Privates
27/03/26
Ich bin glücklich, dass meine gesamte antifaschistische, antirassistische und humane Bildung ein Gesamtpaket darstellt. Familienhaus, Schule, Bildungsstätten, Gesellschaft waren im Einklang. Berliner wurden von Deutschen trotzdem als Dummköpfe dargestellt. Erst kürzlich wurden meine berliner Nachbarin und ich bei einer völlig inhaltslosen Versammlung als Naja-die-alten-Kreuzberger belächelt. Herrn Dr. von D. fehlte das Pfund, ein Fächer und eine gepuderte Perücke, um den Hochadel plausibel darstellen zu können. Das Wort Gentrifizierung beschreibt nicht einen niederen Adel. Es beschreibt ein psychotisches Denkmuster lupenreiner Rassisten und Faschisten, die Windeln tragen. Es ist eine rostige Schraube, die sich aus dem französischen Wort genterie (gesamter Adel) durch das englische Wort Gentry (niederer Adel) dreht. Die neuen Rassisten und Faschisten pudern sich die Gesichter und wechseln ihre Perücken. Ihre Identitäten sind bloße Kleidungsstücke, die sie dem Anlass entsprechend wechseln. Herr Merz zieht die BlackRock-Jacke aus, dann zieht er die Kanzlermütze auf. Seine Show läuft einfach nicht: "Links gibt es nicht mehr!" Er spielt den Republikaner mit frustrierter Kaulquappenschnute. Die wird die AfD nutzen, um seinen Platz einnehmen zu können. Dann wird Herr Merz eine ganz andere Jacke tragen, um die "kleinen Paschas" in die Fabriken zu bekommen. Er nennt sie dann wieder Gastarbeiter. Für den niederen Adel haben Arbeiter kein Wohnrecht, auch Am Lokdepot nicht. Sie werden neue Gettos schaffen, weil sie tatsächlich denken, dass DAGEGEN ein Konzept ist. Von mir wird nun erwartet, dass, wenn ich über mein Privates schreibe, Geschichten über Beziehungen schreiben müsste, über den Pudding von Dr. Oetker, den der Peter so mag. Andernfalls bescheinigen mir Menschen, dass ich das Leben eines Mannes führe. Bezeichnenderweise sind das immer Menschen, die weder eine männliche noch eine weibliche Identität haben. Evi-Maus vom Lokdepot hat es in zehn Jahren geschafft, ihren Mann komplett zu verbrennen. Das finde ich nicht weiblich. Er ist nur das Ventil für ihren Hass, vor dem sie sich noch fürchtet. Sie wartete auf irgendeinen Bully, der diesen Hass entfesseln konnte. Fusel-Inge hat ihren Hass entfesselt. Fusel-Inge hat eine Wohnung mit einem richtig echten Mann gekauft, der einen Hammer bedienen kann. Elektrodrähte kann er sogar auch verbinden. Sie spielt Frau. Nachdem sie im Grundbuch stand, hat sie ihn rausgeworfen. Das finde ich identitätslos, also nicht weiblich oder männlich. Zum niederen Adel gehören junge Wohnungseigentümer, die ihre Eltern in ihrer Wohnung leben lassen. Alle finden das so süß. Tatsächlich ist es ein kaltes Modell, um die spätere Erbschaftssteuer zu umgehen. Das finde ich nicht human. Hätte ich Eltern, würde ich sagen: "Fahrt mit Eurer Harley über die Route 66. Haut Euer Geld auf den Putz, bis die Schwarte kracht." Ihr Familien-Modell heißt Gier frisst Hirn. Gentrifizierung meint, dass es kein Privatleben gibt. Es gibt keine vier Wände, in denen Menschen sicher sind. Gentrifizierung ist der frontal politische Angriff auf das Privatleben derer, die nicht in diese Gesellschaft gehören sollen. Am Lokdepot muss man nur homophob genug sein, dann schreibt die Frau Doktor Charakterzeugnisse.
60! Gewonnen
23/03/26
Seit dem 20. März 2026 bin ich 60 Jahre alt. Die edle Finalstrecke darf beschritten werden. Ich habe ein Leben gelebt, das mich ausgesucht hat. Ich habe mir meinen Körper nicht ausgesucht. Ich habe mir meine Eltern nicht ausgesucht. Ich habe mir meinen Geburtsort Berlin nicht ausgesucht. Ich habe mir den Kalten Krieg in Deutschland nicht ausgesucht. Ich habe mir die Hürden nicht ausgesucht und ich habe mir den Härtegrad meines Lebens nicht ausgesucht. Sogar der BeRuf hat mich ausgesucht. Ich habe gewonnen! Ich bin gesund geblieben. Ich bin körperlich fit geblieben. Mein Geist hat keinen Schaden genommen, weil ich nie Alkohol getrunken habe, weil ich nie Medikamente oder Drogen schluckte, weil ich nie gelogen habe. Ich habe gewonnen! Niemand konnte mich in Abgründe reissen. Niemand konnte meine Arbeit sabotieren. Niemand konnte mich in seine Kleinkriege zerren. Niemand konnte mich mit seinen Irrtümern vernebeln. Einer der populärsten Irrtümer ist, dass ich Tote versorge. Menschen dürfen nicht vergessen, dass Bestatter die sterblichen Überreste versorgen, die irdischen Geschenke, die das Leben verkörpern. In den ersten 20 Jahren musste ich mich in meinem Leihkörper zurechtfinden. Er war mir stets zu eng. Fehler passieren. Mein Körper ist wahrscheinlich ein Montagsmodell des Himmels. Ab dem 30. Lebensjahr wurde es besser. Ich lernte von einer Meisterin, wie ich das Schwere, das Belastende, das Erstickende aus meinem Körper werfe, wie ich meinen Leihkörper vor Fremdmüll schütze. Ich lernte von ihr, wo ich meine Gedanken produziere, welche Gefühle dann entstehen und wo ich meine Gefühle sortiere. Ab dem 40. Lebensjahr wurde es extrem leicht für mich. Mein Körper war eine Art Flugjet geworden. Ich wurde kaum müde. Ich brauchte weniger Schlaf, um zu regenerieren. Mein Humor sprudelte, meine Fantasie verdrängte schlechte Laune. Das Thema Nähe und Distanz war dann ein sehr leichtes Thema. Trampeltiere, Übergriffige und Grobmotorische bereiten körperliches Unbehagen. Sie verursachen schlichten aber effektiven Brechreiz. Ich lernte von meiner Meisterin, diesen Brechreiz extrem ernst zu nehmen. Österreicher bringen jene Grobmotorischen bissig und extrem scharf gewürzt auf den Punkt: "Die scheißen immer dort wo gegessen wird." Nelly Sachs schrieb hingegen: "Immer dort wo Kinder sterben werden die leisesten Dinge heimatlos…Immer dort wo Kinder sterben verbrennen die Feuergesichter…Immer dort wo Kinder sterben verhängen sich die Spiegel der Puppenhäuser…" Nelly Sachs meinte nicht nur den leiblichen Tod. Als ich 50 Jahre in meinem Körper lebte, wurde ich in meinem Beruf besser und präziser. Meine Gedanken und Gefühle blieben, durch gute Sortierung, jung. Meine Geschäftspartner blieben seriös und auch sie wurden fachlich immer kompetenter. Meine Hinterbliebenen wurden immer freundlicher. Im Privatleben blieben Freunde immer Freunde. Sie erinnern mich an meine Roots. Sie erinnern mich, wie wir vor langer Zeit in unseren brandneuen Körpern eierten. Sie erinnern mich an unsere Sturzflüge und Crashs, bis wir laufen, springen und fliegen konnten. 60 war immer das Mindestziel. Und heute bin ich 60 Jahre alt. 60 ist Paris. 60 ist New York. 60 ist orientalisch, wie 1001 Nacht. 60 ist Politik. 60 ist Weltbühne. 60 ist echt, wenn alles gut gelaufen ist. Ab jetzt fliege ich die nobelste Strecke, die das Leben zu bieten hat. Die Finalstrecke beschreibt die Strecke zwischen dem 60. Lebensjahr und dem 80. Lebensjahr. Die lang ersehnte Flugstrecke im Leben, die viele tolle Menschen leider nicht erreichen konnten. Niemand kann diese Strecke sabotieren, weil Niemand keine Ahnung hat, welchen Verlauf diese Strecke nimmt. Und sollte ich mit 80 Jahren sterben, dann möchte ich ins frische Gras beißen dürfen.