Die weiße Rose...

…ist ein Symbol für Abschied und Neuanfang, für Treue, Loyalität, Reinheit und Vertrauen. Sie ist das Symbol für Respekt und für ein ewiges Andenken. Weiß ist die Farbe der Reinheit. Eine weiße Weste behalten. Auf ein weißes Blatt darf keine Tinte kleckern. Weiß erinnert an das Zitat von Jaques Maritain, der ein französischer Philosoph war: "Man muss einen harten Geist und ein weiches Herz haben!" Sophie Scholl übernahm dieses Zitat. Sophie wurde 1921 in Baden Württemberg geboren. In dem Jahr, in dem meine Mutter zur Welt kam, also 1943, wurde Sophie in nur 4 Tagen zum Tode verurteilt und hingerichtet. Auch ihr Bruder Hans wurde hingerichtet. Sophie war 21 Jahre alt. Ihr Bruder war 24 Jahre alt. In der Ludwig-Maximilians-Universität legten beide Exemplare ihres sechsten Flugblattes aus. Das war alles. Sie legten, im Namen der Weißen Rose, Flugblätter aus. Sie leisteten Widerstand. Sie konnten den Nationalsozialisten widerstehen, sich gegen sie aussprechen, weil sie hart im Geist waren und weich in ihren Herzen. Der Richter am Volksgerichtshof, Roland Freisler, verurteilte 2 Teenager, weil sie Flugblätter in einer Uni auslegten. Er verurteilte sie zum Tod durch das Fallbeil. Roland Freisler wurde Richter am Volksgerichtshof, der erst 1934 eingerichtet wurde. Im Namen seiner Freiheit; also im Namen des Führers, konnte er hart im Herzen sein und so unglaublich weich im Geist, dass er 2 Teenager köpfen ließ. Sie starben im Strafgefängnis München-Stadelheim. Roland Freisler ließ auch Christoph Probst hinrichten. Er muss im Rausch gewesen sein, denn er verurteilte 2600 Mal Menschen zum Tode. Er war bekannt für seine Häme, für sein Talent, Rechte auf Verteidigung im Keim zu ersticken. Es soll Angeklagte gerne gedemütigt haben. Seine aggressive Befangenheit spricht nicht für eine Regimetreue, eher für einen Narzissten, der neidisch auf Menschen war, die dem Führer nah kommen durften. Roland Freisler muss ein extrem trauriger Mensch gewesen sein. Seine herunterlaufenden Augen symbolisieren einen Rückzug aus sozialen Interaktionen, mangels Selbstvertrauen. Er wurde Präsident des Volksgerichtshofes. Er war einer von 15 Teilnehmern der Wannseekonferenz. Roland Freisler war Jurist. 1922 schloss er sein Jurastudium mit Promotion ab. Später hatte er in Kassel eine Kanzlei. Nur 20 Jahre später lässt er zwei Teenager köpfen. Dafür muss man doch nicht studieren. Für so einen Lebenslauf muss man doch keine Universität besuchen. Dafür kann man sich einen Kerker mieten, um seine Tötungsgelüste auszutoben. Er verurteilte im Jahr 1944 die Attentäter, die den Führer nicht mehr tragen wollten. 1945 wird Roland Freisler in Berlin buchstäblich zerfetzt. Es brauchte einen Luftangriff, um ihn endlich loszuwerden. Meine Mutter war 2 Jahre alt. Als sie und ihre Generation sprechen und lesen konnten, sprachen sie über Sophie und Hans Scholl. Sie schrieben alle Geschichte genau auf. Sie sammelten Bilder und Zitate. Sie sprachen mit Freunden und Nachbarn und Postboten und Handwerkern. Als ich 1972 in die Schule kam, sprechen und lesen lernte, sprachen wir über Sophie und Hans Scholl. Wir sprachen mit Freunden und neuen Freunden in Jugendheimen. Wir suchten die Fotos und wir fanden die Fotos von Sophie und Hans. Wir fragten die Älteren, wir fragten Lehrer und Religiöse. Alle kannten Sophie und Hans Scholl. Es gab keinen Menschen, der sie nicht kannte. Den Richter, der sie verurteilte, kannte niemand. Niemand wollte seinen Namen so genau wissen. Niemand wollte ihn erinnern müssen. Wir wollten die Weiße Rose feiern und ehren, wir wollten sie säubern, mit unserem Leben am Leben halten. Die Weiße Rose ist ein gigantischer Weltstar. Deutsche Politiker haben das verstanden und deshalb unterdrücken sie Paraden und Feste für die Weiße Rose, indem sie auf unwichtige Nazis zeigen. Sie haben Angst. Noch heute haben sie Angst vor Sophie Scholl und vor Hans Scholl. Sie verunreinigen aggressiv-befangen.

Die AfD, die AfD

Der Mauerfall 1989 bleibt eine Nachkriegssensation für mich. Leider verkam der Fall der Mauer zur Zirkusattraktion derer, die noch heute über Ostdeutsche und Westdeutsche reden, die auch heute so tun, als hätte es in der Weltgeschichte immer nur einen Westen gegeben, der aus einem Anfall der Langeweile gnädigst eine Mauer öffnete, um durch und durch Fremde gönnerhaft mit einem Hunni zu begrüßen. Ossis sind bis heute billig und ungebildet, deshalb verdienen sie auch noch weniger. Ossis haben keinen Sinn für Mode oder für eine modische Sprache. Ossis haben keine kosmopolitischen Attitüden. Ossis waren schon immer Ableger Russlands. Der Legende nach müssten US-Alliierte damals in der Hauptstadt entschieden haben: "Die West-Berliner sind so dermaßen hübsch und über die Maße intelligent. Wir nehmen die. Die sind irgendwie amerikanisch; und J.F. is ein Berliner." Das der Mauerfall Weltstars befreite, schrieb niemand. Nina Hagen, Katarina Witt, Arnim Müller-Stahl, Rammstein, Angela Merkel, Tokio Hotel, Axel Schulz sind verirrte Westdeutsche im Osten gewesen. Der wilde Westen trampelte also durch einen Osten. Er verkaufte Schrottautos und Schrottversicherungen. Er nutzte den guten Glauben der eigenen Landsleute aus, nannte sich bösartig Treuhand und gab grinsend den letzten Todesstoß. Sogar das Ost-Ampelmännchen kam unter den Lizenzhammer. Gier frisst Hirn. Nicht erst seit gestern stellt sich die AfD auf. Ich habe Sorge, dass der Osten, der offenkundig noch immer nicht Deutschland zu sein scheint, das zweite Mal auf den Leim geführt wird. Als Kind bewunderte ich die Matrjoschka, diese hölzernen Puppen, die in sich verschachtelt sind. Sie sind ein Symbol für Mütterlichkeit, Fruchtbarkeit, Familie und Zusammenhalt. Diese bunten kleinen Mütterchen faszinierten mich und ich versuchte damals, die inneren Puppen gnadenlos, gegen jede Kant'sche Moral, auszutauschen. Asterix passte sich gut ein und auch die Mondrakete von Tim und Struppi passte bestens hinein. Eine Lösung für die entnommenen Puppen hatte ich nicht gefunden. Sie passten weder zu Ken und Barbie noch zu meinen Figuren von Playmobil. Sie behielten ein Alleinstellungsmerkmal und wirkten ein wenig reserviert. Heute denke ich, dass, wenn ich die AfD wählen würde, Elon Musk rauskommt. Dieses Gefühl lässt mich einfach nicht los. Die Schwarz-Gruppe, Mutter von LIDL und Kaufland, baut in Lübben ein KI-Rechenzentrum. LIDL sammelt über die App schon ordentlich Kundendaten. Diese Daten sollen auch extern verwertet werden. Die Spezial-Chips und die Hardware liefert sicher der US-Konzern Nvidia. Der deutsche Konzern Infineon, München, stellt nur Halbleiter her. Es gibt keinen deutschen Konzern, der KI-Chips herstellen kann. Nun wirbt die AfD auf einem Plakat mit einer blonden Frau im Dirndl. Das irritiert mich, weil die Bilder nicht stimmen. In den USA singt und sagt man nicht Servus, Gruezi und Hallo, wie Maria & Margot Hellwig. Blondinen in den USA singen und sagen I'm Britney bitch. Insofern machte der berliner AfD-Politiker, Julian Adrat, einen großen politischen Fehler, da er Bill Kaulitz irrtümlich homophob angriff. Der lebt zünftig in der goßen Matrjoschka, so als echter Ostdeutscher. Er spricht perfekt englisch und deutsch. Er ehrt mit seinem Look teilweise sogar auch Elke Sommer. Angepasster geht es ja kaum noch. Das ist doch der Patriotismus, den Frau Weidel aka Elon Musk aka Trump züchten soll. Ist die AfD nur eine neue Treuhand?

Wenn die Vorgänger sterben

Helmut Lethen ist am 13. August 2026 in Wien gestorben. Er wurde 87 Jahre alt. Junge Menschen fragen: "Und?!" Helmut Lethen ist ein Kulturwissenschaftler, der auch post mortem entfaltet. Er hat 9 Bücher geschrieben. Meine ausgesuchten Meisterwerke von ihm sind >>Verhaltenslehre der Kälte<< und >>im Schatten des Fotografen<<. Die ZEIT schreibt, der Tagesspiegel schreibt, Verlage schreiben, alle schreiben Nachrufe und Hymnen. Sie sind scheinbar nicht traurig, eher fühlen sie sich alle verpflichtet. Ich finde das elitär. Mit ihren Artikeln fällt aber auf, dass sie stets extrem milde über seine Gattin schrieben. Sie fanden einen Linken und eine Rechte auch spannend. Sie wollten wissen, wie das so geht, wie man damit so lebt, da beide auch drei Kinder haben. Medien geben den professionellen Sommelier. Sie servieren uns bei Helmut Lethen quasi einen bekömmlich enorm reifen und teuren Rosé. In der Küche mixen sie allerdings einen Weißwein und einen Rotwein. Das ist natürlich nicht akademisch. Das ist Street smart. Ich bin traurig, weil Helmuth Lethen die Generation meiner Eltern beschreibt und verkörpert. Zu seiner Generation gehören Jíl Sander, Peter Lindbergh, Romy Schneider, Iris Berben, Gloria Steinem, Hannelore Elsner, Erika Pluhaar, Hanna Schygulla…Sie alle umhüllt eine dünne Kältefolie, die fast ein himmlisches Geschenk zu sein scheint, da sie alle den Krieg im Mutterleib erfuhren, im Krieg geboren wurden. Wir Kinder wussten, dass hinter diesen futuristischen Folien Wunder versteckt wurden, deshalb haben wir die Folien unserer Eltern nie bösartig zerrissen. Das war eine Art unausgesprochenes Gesetz. Die Generation von Helmut Lethen hat diesen leicht abschweifend verlorenen Blick, dieses eine nicht zu erreichende Gen, dieses milde Lächeln, das innere und äußere Monstren besiegen und töten kann. Meine Generation blieb immer ein wenig Zuschauer, wir Kinder waren Follower. Ich hatte auf eine angenehme Art nie das Gefühl, dass ich strenge oder lockere Eltern hatte. Ich hatte eher das Gefühl, dass ich mit autonomen und sozial ambitionierten Menschen lebte. Sie konnten mich lassen, mich in Ruhe lassen. Die Mode von Jil Sander hat Frauen endlich in Ruhe gelassen. Die Fotos von Peter Lindbergh lassen Frauen in Ruhe, lassen Frauen auch miteinander spielen. Helmut Lethen konnte zuhören, er konnte seine Frau in Ruhe lassen. Er konnte ihre Arbeit in Ruhe lassen. Er ist ein durch und durch politischer Linker, da echte Linke die Opposition brauchen, wie Fische das Wasser; um nicht Herrscher zu werden. Helmut Lethen hat eine autonome Frau gesucht und gefunden. Der in weiten Hintergründen liegende Chauvinismus sei ihm gegönnt. Eine jüngere Frau kann weitaus intelligenter sein, als eine ältere oder gleichaltrige Frau. Das könnte meine Traurigkeit nicht schmälern. Meine Generation muss sich zwangsläufig politisch aufstellen. Das ist so enorm schwer, dass ich erst jetzt merke, welch ein "Monster" die 68er Generation bändigen konnte und kann.

Verschwörungstheorien

Verschwörungstheorien gab es immer. Im Zeitalter der digitalen Wirtschaft bekommen diese Theorien natürlich ordentlich Schub. Meine Branche wurde von Menschen als Mafia bezeichnet; und solche im Geist gestörten Menschen denken dann, man müsse für die Realität Beweise antreten. In Teilen sorgen auch Medien für göttliche Verschwörungstheorien. Sie hängen noch immer am Club 27. Im Kern meinen Sie, dass der Himmel 27-jährige Stars zu sich holt. Das fehlende Warum befeuert eben einen Mythos. Sie ersetzen Verstand, da sie aus einem Zwang heraus Legenden erschaffen müssen, neue Götter. Sie erteilen in einem Anfall von Größenwahn ihre Absolution. Jimi, Janis, Kurt und Amy hatten keine Drogenprobleme. Die Götter ruinierten ihre Stimmen, holten sie, um uns zu strafen; und deshalb sollen wir wieder büßen. Xavier Naidoo taucht bei einer Demo gegen Kindesmissbrauch auf. Er, der im Gottstatus weilende, demonstriert nicht für eine gute Sache mit. Egoman sucht er ein Mikrofon und verkündet, dass wir alle schon Menschenfleisch aßen, dass SIE unsere Kinder fressen, dass die Firma Lays embryonale Gewürze in hauseigene Chipstüten streut. Natürlich hat er keinen Lebensmitteltechniker an seiner Seite, der das bestätigt. Er sagt, wie alle Verschraubten: „Bis mir was anderes bewiesen wird, muss ich leider davon ausgehen." Er bettelt, wie ein böses Kind, um Ärger, also um Aufmerksamkeit. Die Welt soll ihm Beweise geben. Da er in seinem verquirlten Kopf keine Täterkreise benennen kann, meint er also, wir alle sollen verfolgt werden. Was er ganz sicher nicht mehr umreißen kann, typisches Phänomen für im Geiste gestörte Menschen, ist die Tatsache, dass seine Erzählstränge an eine christliche Steinzeit anlehnen, die Historiker in ihren Archiven hüten. Es geht Xavier Naidoo vorrangig sicher nicht um den Hass auf Juden. Er dreht sich nur um sich selbst. Er braucht Mikrofone. Er braucht Bühnen. Er will gehört werden. Die Frage ist, wie kommt er darauf, dass ich seine Theorien hören will? Weil er selbst ein Gott geworden ist. Wie wurde er Gott? Das ist absolut uninteressant. Tatsächlich sorgt er öffentlich dafür, sein Menschsein zu demontieren. Er sorgt öffentlich dafür, die Glaubwürdigkeit seiner Songs zu schrotten. Er wird öffentlich zur Witzfigur, die Medien verkaufen. Keineswegs nehmen sie seine Geschichten ernst. Für mich und meine Branche ist nur wichtig, dass er auf Kosten der Firma Lays posaunt, wie ein Bubi, der um Unterlassungsklagen bettelt. Solche abgerissenen Typen unterstellen meiner Branche, dass wir Goldzähne stehlen, aktiven Leichenhandel betreiben, den Tod, als Mafia, forcieren. Das Ergebnis ist, dass er eine Demonstration gegen Kindesmissbrauch zerstört hat, wie ein Trampel. Zu seinen Ablegern gehört die Frau Am Lokdepot, die Tote hört und weiß, dass ich sie vergiften will, dass ich sie verfolge. Sie nennt explizite Pestizide aus Brasilien. Auch sie fordert, im Geiste völlig gestört, Beweise für das Gegenteil. Ich werde sicher nicht die Realität verlassen und ihr krankes Weltbild aufräumen. Sie möchte, meist im Nachthemd bekleidet, im Mittelpunkt stehen. Sie zerstört das Ansehen ihrer eigenen Firma. Ich muss nur verhindern, dass sie meine Firma vernichtet. Nicht sie ist wichtig. Wichtig ist der Zustand der Leute im Haus, die labil, schwach und unfähig auf Resonanz gehen. Sie können aber ihre Probleme verlagern und Schuldige finden. Ich bin schuld an ihrem Neid, an ihrem Hass, an ihren sichtbar freudlosen Leben, an ihrem kaufmännischen Desaster im Haus. Die Geschichte ist so alt; und doch muss sie immer wieder vorgetragen werden. Xavier Naidoo hat einen Komplex, den die Nation nicht lösen muss. Er soll aufhören, seinen geistigen Müll in die Nation zu kippen. Er soll es für sich und seine Familie tun. Er ist so bemitleidenswert, wie eine zahnlos betrunkene Frau, die sich in der Öffentlichkeit beim Urinieren filmen lässt.

Das Du zerstört Strukturen

Ich kenne keinen seriösen Bestatter, der seine Kunden duzt. Ich kenne keinen seriösen Friedhofsmitarbeiter, der Trauernde duzt. Ich kenne keinen Kripobeamten, der Bestatter duzt. Ich kenne keinen Standesbeamten, der mich je duzen wollte. Kein gutes Hotel duzt seine Gäste. Eine Freundin von mir ist Flugbegleiterin, die im Strahl brechen könnte, weil die Passagiere ihres Arbeitgebers sie künftig duzen sollen. Das kann im Notfall zu Schwierigkeiten führen, weil das reflexhafte Du in Deutschland eine unangenehme Vereinnahmung bedeutet. Am Lokdepot gibt es einen arroganten Rechtsanwalt, der seit 10 Jahren den Nahbaren mimt, gleichermaßen aber ein Smirk ist. Sein schief falsches Grinsen meint, dass er einen Genuss darin empfindet, etwas zu wissen, das andere nicht wissen. Er ist zuweilen spöttisch und anzüglich. Seine Mails sendet er wahlweise als Empfangssekretär seiner Kanzlei oder mit dem Account der Verwaltung, die zum Schein eingesetzt wurde. Seine Schreiben formuliert er in Euch-Form und Uns-Form. Er will um eine anspruchsvolle Hausgemeinschaft wissen, die einen besonderen Verwalter braucht. Er bittet in seiner Destruktion um konstruktive Vorschläge. Man muss sich Passagiere vorstellen, die sich in einem bedrohlichen Sturzflug befinden und eine allseits unbekannte Cornelia bittet in der Du-Form um einen neuen Piloten. Sie möchte diskutieren. Die Crew stellt aber fest, dass Cornelia den Sturz verursacht. Sie ist betrunken und sie weigert sich, ihre Störsender auszuschalten. Cornelia pustet sich während des Sinkfluges laut auf. Alle Passagiere sollen sich um sie kümmern. Sie erkennt die Bedrohung betrunken nicht mehr. Alle sollen ihr in den Sinkflug folgen. Alle sind schuld an ihrem Elend. Sogar der Pilot soll seine Arbeit unterlassen, um sich nur um ihre Belange zu kümmern. Wenn das Lokdepot eine Airline wäre, dann haben Beraterkanzleien einen Rechtsanwalt benutzt, der aus einem Gärtner einen Flugkapitän gemacht hat. Die Kontostände sinken, alle Triebwerke wurden manipuliert, Passagiere sind diesen Leuten völlig egal. Sie ziehen das Geld im Minuten-Takt. Meine Nachbarin und ich haben uns mit dem Cockpit vertraut gemacht. Der Tower wäre eigentlich ein gutes Gericht. In dem Fall sind es gute Anwälte und Gutachter. Wenn wir im Wasser landen, werden Versteinerte versinken. Am Lokdepot ist das Du so aufgesetzt und geheuchelt inszeniert, als wären alte Menschen Teenager, die eine gruselige Nachtwanderung miteinander planen, die einen Kiosk knacken wollen, um an Alkohol zu kommen. Die Du-Form hat die Arbeit einer Verwaltung sogar unterbunden: "Schieb die 20.000 Euro für die Kanzlei ins nächste Jahr, dann schlafen die anderen gleich tiefer. Deine Rechnungen müssen nicht stimmen. Wir machen, was wir wollen." Die Realität verschiebt sich mit dem Du. Beiräte und Eigentümer Am Lokdepot denken tatsächlich, dass ausgerechnet sie es sind, die über mein Bestattungsinstitut, über meine Räume bestimmen könnten. Dieser Rechtsanwalt denkt in seiner Verkommenheit wirklich, dass er meine Räume mit seinen geistlosen Fäkalien beschmieren könnte. Mit einer echten Verwaltung wäre er für meine Arbeit nicht existent. Warum auch? Ich erinnere einen Beirat, der nachts den Sky-Marshal im Hof gab. Er konnte seiner Du-Beirätin nicht mehr erklären, wie sich zivilisierte Menschen zu benehmen haben. "Du kannst hier doch heute nichts mehr holen." Ich hatte kurz den Verdacht, dass er ihr den ausgedienten Schnuller seines Sohnes bringen muss. Er konnte ihr nicht mehr sagen, dass ihre einstigen Mieter, bei 2500 Euro Miete, mehr Klasse, Stil und Hirn hatten, als sie je haben wird. Ich möchte an dieser Stelle jene gesunden Menschen heben, die um Klassen darunter leben sollen und müssen, sich aber noch nie so derart peinlich vor meinem Bestattungsinstitut gebärdeten. Dazu gehören die Mieter, die falsche Abrechnungen zahlen müssen, damit der Rechtsanwalt seinen selbstgebastelten Thron aus Stein auch weiterhin verteidigen kann. Das Du zeigt sich nicht professionell. Die aufdringliche Duzerei führte dazu, dass bis heute Millionen Menschen in der Digitalwirtschaft manipuliert und ausgebeutet werden, ausgezogen werden, missbraucht werden, weggeworfen werden. Wir sind Rohstoffe im Netz, die man duzen und pflücken darf. Das überträgt sich auf äußerst unappetitliche Art und Weise.