Die Wahrheit

Wenn die Wahrheit, die viele Menschen durch Kant erlernt haben, immer mit der Moral verknüpft ist, dann wird aus der Wahrheit schnell eine Lüge, die wir als Wahrheit identifizieren. Die Frage darf in einer demokratischen Gesellschaft nicht lauten: "Kann man diese oder jene Information einem Menschen zumuten? Was löst das aus?" Die Wahrheit muss schonungslos bleiben. Sie könnte lauten: "Ich habe mich geirrt. Du hattest recht!" Die an die Moral geknüpfte Wahrheit fragt: "Wie stehe ich denn jetzt vor dem anderen da, wenn der erfährt, dass ich Fehler mache?" Eine an die Moral geknüpfte Wahrheit fördert zudem die Abkehr von einer Demokratie. Fehler, Pannen, Katastrophen dürfen nicht mehr das Tageslicht erblicken, denn schließlich steht irgendein Ruf auf dem Spiel. Es ist interessant, dass die britische Staatsanwaltschaft einem deutschen Tennisstar "einen schlechten Charakter" bescheinigte, weil der seine finanziellen Verhältnisse unkorrekt darlegte. In Großbritannien drohen ihm 7 Jahre Haft. In Deutschland werden die deutschen Reichen vor Gericht gebauchpinselt, denn Behörden fragen sich: "Wie steht unsere Behörde da, wenn wir einen deutschen Sportstar, der Millionen nicht korrekt angibt, verurteilen?" Die Rundfunkanstalten treiben sich bereits in die Lügen. Sie halten sich nicht mehr an ihre eigenen Vorgaben, die dem Bürger im Internet Aufschluss geben sollen. Sie unterstellen einem Geschäftspartner, dass er für jede seiner Firmen unterschiedliche Büroräume, unterschiedliches Personal haben muss. So generieren Sie mehrfache Gebühren. 800 000 laufende Verfahren in Deutschland gegen die Rundfunkanstalten belegen keine Wutbürger. Deutsche Gerichte haben festgestellt, dass der Beitragsservice keine rechtsfähige Einrichtung ist. Gleichermaßen mahnt dieser Service, auch dann, wenn die Beiträge falsch erhoben werden. Ein falsches und rechtlich falsches Mahnwesen führt unter Umständen in ein Vollsteckungsverfahren. Kein Endverbraucher weiß, wer rechtlich tatsächlich klagen darf, verklagt werden darf. ARD, ZDF in Köln - Der RBB in Berlin? Die Wahrheit, an die Moral geknüpft, führt in die Lüge. Die Rundfunkanstalt muss recht haben: "Wie stehen wir sonst da, wenn der Unternehmer belegen kann, dass er 2 Firmen in einem Büro, mit einem Personalstamm führen kann?" Denn sie hat die Wahrheit vertraglich erhalten. Die Wahrheit ist, dass sie ihren wahren Charakter zeigte, als man ihr Macht gab. Die Frage muss nach Kant lauten: "Wie viel Ausforschung ist für einen Menschen, für einen Unternehmer zumutbar, um nicht erneut in alte Mechanismen zu fallen? In welchem Maß dürfen wir die Wahrheit verbiegen, also einen Beitragszahler einen Lügner und einen Betrüger nennen?" Als Bestatterin kann ich die Wahrheit nicht verbiegen. Ich kann den Tod nicht verlügen. Reines Training.

Blinde Flecken

In der Trauer spricht man von "blinden Flecken", wenn zum Beispiel eine ehemalige Lebensgefährtin vom Tod ihres Ex-Partners erfährt und vor allem sich selbst vorgaukelt, dass sie bis zum Ende die Lebenspartnerin war. Der "blinde Fleck" ist in Suizidfällen ein seelischer Schutz. Nach und nach lässt man Kritik und Selbstkritik zu. Ein Lehrer wird in der Nähe von Paris geköpft. Die Welt ist nicht mehr im Modus "Je suis Charlie". Samuel wird enthauptet. Herr Paty. Der Lehrer. Auf offener Straße wird er hingerichtet. Nach seinem Tod wird ihm der Kopf abgetrennt. Der Täter ist mir egal. Sein ganzes Leben ist mir egal. Seine Mitgliedschaften - in Vereinen - in Organisationen - in Bücher-Clubs - sie interessieren mich nicht. Der Name dieses Mannes ist uninteressant. Er wurde nach seiner Tat erschossen. Das ist ein kleines Glück im Unglück für die Familie, für die Kollegen, für seine Schüler. Samuel Paty liegt in einem Holzsarg. Der ist trapezförmig und steht auf einem Metallgestell. Präsident Emmanuel Macron erklärt Samuel zum Helden - post mortem. Eine Schule der westlichen Welt ist also Kriegsschauplatz geworden. Kevin Kühnert schreibt im Spiegel: "Die politische Linke sollte ihr Schweigen beenden." Er beschreibt "blinde Flecken". Er wirkt fast komisch. Er beschreibt einen Mord. Samuel Paty wurde öffentlich hingerichtet. Ein Gesetz, das mir egal ist, war wohl auf der Seite des Vollstreckers. Charlie Hebdo wurde hingerichtet. Sein Verlag wurde in Schutt und Asche gelegt. Ein Gesetz, das mir egal ist, war wohl auf der Seite der Vollstrecker. Kevin Kühnert glaubt an eine Linke. Was meint er damit? Meint er, dass europäische Linke den Islam fördern, finanzieren, sogar Schulbücher finanzieren, die den Judenhass über Generationen erhalten werden? Meint er etwa die Justizministerin der SPD, die Gewalt gegen Kinder hart bestrafen will, aber keine effektiven Zahlen über Kinderehen in Deutschland vorweisen kann? Kevin Kühnert schreibt im Jahr 2020 über einen Kampf? Wer kämpft wo und wogegen? Es ist schon lächerlich, dass Herr Kühnert ernsthaft glaubt, ausschließlich Rassisten sind gegen Enthauptungen in Paris. Wo lebe ich? Ich darf in diesem Land nicht nur meine Meinung äußern. Ich darf sogar jeden Menschen ordentlich beschimpfen - nach allen stilvollen Regeln der Schimpfkunst. In diesem Land, in diesem Europa gibt es keine Todesstrafe! Es gibt keine Hinrichtungen! Samuel, der Lehrer aus Frankreich, wurde auf offener Straße geköpft. Eine Klinge trennte seinen Kopf ab. Sein zerstörter Körper wurde auf Twitter ausgestellt - und Kevin Kühnert verteilt im Spiegel Brillen an die Linke. Mir wird schlecht!

The Magic of maybe

Realität beschreibt das echte Leben, also nicht das theoretische Chatleben, in dem über das Leben geschrieben wird. Das Internet rottet eine bloße Fetischgemeinde. Kein Mensch kann eine fotografierte Geburt riechen, tasten. Kein Mensch kann das Leben im Internet beschreiben. Warum auch? Leben muss gelebt werden. Das Internet ist ein Raum, in dem Amputationen ausgeführt und gefeiert werden. Aus Homeoffice wird Homo. Verstümmelte können nicht klatschen. Ein Amputator, heute vegan, nimmt einen Hashtag-Award entgegen. The magic of maybe hält ihn rünstig. Der Typus sucht Fleisch. Da ist Donald Trump ein gefundes Fressen. Er legitimiert die große Verstümmelung. Das große Fressen vergeht wohl jedem. Das echte Leben verliert Lebende, Liebende, Fühlende. Der Abschied ist nicht nur eine Idee derer, die zu viel Geld haben, um es für eine Beerdigung auszugeben. Die Bestattung ist kein Fetisch, den man abschaffen muss, weil man darauf auch gut verzichten kann. Ein Tablet ist kein Ersatz für ein Menschenleben. Das Internet ist nur ein Ort, an dem Trauernde amputiert, verstümmelt und zur Schau gestellt werden. Selbst Jeff Besos sagt: "Das Biest, das Du fütterst, wird Dich fressen." Die Bestattung in Zeiten der Pandemie eröffnet die zwei Maßstäbe der Gesellschaft. Eine städtische Friedhofsverwaltung gibt die Anweisungen der Senatverwaltung Berlin weiter. Einer Bestattung dürfen 50 Personen beiwohnen. 10 Personen dürfen in die Trauerhalle, wenn ein Redner die Zeremonie leitet. 40 Personen dürfen in die Trauerhalle, wenn ein Pfarrer die Zeremonie leitet. Echte Menschen denken immer dann, wenn ein Keil in die Gesellschaft getrieben wird. Was sagt uns der Senat Berlin? 1. Religiöse sind reiner und immuner als Weltliche? 2. Religiöse werden in der Pandemie auf den Friedhöfen geopfert? 3. Die Kirche, nicht der Senat Berlin, koordiniert die Stadt in der Pandemie? The magic of maybe... Vielleicht gibt es eine logische Erklärung. Vielleicht ist es ein Fetisch. Vielleicht wird die Gesellschaft von Gedankenlosen gespalten. Vielleicht gibt es ein Konzept. Vielleicht auch nicht. All das wird Menschen auf Friedhöfen zugemutet. Es ist kein Event. Es ist offenkundig nur eine Veranstaltung, da Religiöse erhöht oder erniedrigt werden.

Lageberichte

Heute fragte mich ein Hinterbliebener: "Dürfen nun noch immer 20 Familienmitglieder in eine Trauerhalle?" Einfacher kann eine Frage nicht sein. Ich suche auf Berlin.de und finde einen Teddybären, den Chatbot Bobbi, der auf eine Einfachfrage keine Antwort findet. Bobbi ist ein Produkt des Fachzentrums IDBB – Intelligente Dienste für Bürger und Behörden. Bekommt man dafür Fördergelder? Dann mache ich was falsch. Bobbi, ach der süße Bär, zeigt mir, wie ich Grundsicherung beantragen kann, wenn ich mein künftiges Einkommen nicht benennen kann. Ein Teddy auf meiner Seite, zu so einem Katastrophenthema, wäre mir extrem peinlich. Ich komme auf die Seite Corona-Lagebericht der Stadt Berlin (Stand 15.10.20): 20 087 Menschen sind infiziert. 15 391 Menschen sind genesen. 238 Todesfälle(+2) wurden gemeldet. Man kann sogar über einen RSS-Feed Covid-19 Erkrankungen abonnieren. (Wenn das Krieg ist - dann möchte ich wissen: Was ist Frieden?) Ich werde morgen beim Friedhof anrufen. Man wird mir die Seite der Bundeskanzlerin benennen, auf der ich dann 5 Stunden suchen soll. Die Senatsverwaltung schrieb mir ja einst: "Der Bürgermeister kann sich nicht um kaputte Orgeln auf Friedhöfen kümmern." Derartige Schreiben, auf Geschäftspapier der Erlauchten, wirken, nach einem Partybürgermeister, als wolle man den aktuellen Bürgermeister in eine Versenkung befördern. Kräfte wirken heute unbewusst. Apropos Kanzlerin. Gestern buffte, touchierte ich beim Ausparken ein Fahrzeug. Ich musste aus einer Parkbucht manövrieren, über einen Fahrradweg rollen, das macht man mit Bremsfuß, und knuffte dann ein Fahrzeug, das im Stau stand. Es regnete und es war dunkel. Ich stieg aus und ein Blitz durchfuhr mein unbedeutendes Dasein: "Shit! Ich habe die Kanzlerin geknufft." Ich stand vor einer mächtig großen Mercedes Limousine. Obsidianschwarz. Metallic. Der Kofferraum beginnt auf Hüfthöhe und die Buchstaben AMG blitzten durch die Nacht. Ich hoffte, dass eine feurige Chauffeurin, im Stil von 3 Engel für Charlie, aussteigt, den Kofferraum öffnet, einen AMG Regenschirm entnimmt, eine Benz-Taschenlampe und eine Visitenkarte der Kanzlerin aus ihrem Overall zückt. Das Auto öffnete sich und das Gegenteil einer Autonärrin stieg aus. Eine junge im Verhältnis zum Fahrzeug kleine Frau nahm ein Taschentuch und dann suchte sie einen Schaden. Sie "entdeckte" eine alte Schramme von einem Kinderwagen. Ich holte eine Politur, ein ausfahrbares Maßband und eine getunte Taschenlampe aus meinem weltlich realistischen Vito. Meine Stoßstange ist auf Höhe 53 cm. Ihre Schramme lag auf Höhe 74 cm. Sie wollte die Polizei rufen, die ich dann rufen musste, weil sie, trotz Navi in Kinoleinwandgröße, nicht wusste, in welcher Straße wir standen. Auch in ihrem Smartphone fand sie keine Straßenangabe. Nach einer Stunde kamen 3 uniformiert internationale Engel für Charlie von der Polizei und suchten einen Schaden. Vier Taschenlampen fanden nichts. Die Besitzerin des AMG, in einer preiswerten Lederjacke und preiswerten Jeans, mit preiswertem Gürtel, hatte Angst: "Wenn innen nun etwas kaputt ist?" Ich dachte: "Felgen und Achsen eines AMG würden bei einem Aufprall von 80km/h Schäden aufweisen. Vielleicht sollte meine Schwester mit ihr eine Testfahrt über den Lausitzring machen." Die Polizistin erklärte ihr fast schon therapeutisch, dass man innen nichts finden wird, wenn man außen nichts sieht. Ich selbst musste noch arbeiten und wartete. Während ich wartete, verstummte ich! Ich wägte ab, denn ich war glücklich darüber, dass ich keinen Fußgänger touchiert hatte. Wie viele Menschen fördern und produzieren Smartphones, Chips, Navis, Kabel, Ladestationen, Knöpfe, Türgriffe, Lederpolster, Karrossen, Reifen, Scheibenwischer, Sitzheizungen, Fußmatten, Bildschirme, Glas, Spiegel, Bremsbelege, Gehäuse, Straßen für Transporter, bis eine Nichtautonärrin und Nichtinternetbegeisterte den Weg in ein Autohaus findet, um eine Limousine herauszufahren, die sie unglücklich macht - wenn es keine Schäden über die Versicherung abzurechnen gibt?

Zuckerbrot und Peitsche

Es gibt viele plausible Gründe, warum Menschen im Fall der Coronamaßnahmen skeptisch werden. In der letzten Woche fand die "Arbeitsgemeinschaft Influenza" des Robert-Koch-Instituts statt. Es ging um die Entwicklung der Virusgrippe-Erkrankungen. In Deutschland gibt es bisher zwei Wege, auf Krankheiten (des Atemsystems) zu reagieren. Entweder beschreibt man einen volkswirtschaftlichen Schaden, der nach Angaben des Statistischen Bundesamts im Jahr 2018 bei 34 Milliarden Euro lag; das war Platz 3, nach Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und psychischen Störungen - oder man droht mit der strafrechtlichen Verfolgung (§367 Abs.1 Nr.3 StGB): "Wer ohne polizeiliche Erlaubniß Gift oder Arzneien, soweit der Handel mit denselben nicht freigegeben ist, zubereitet, feilhält, verkauft oder sonst an Andere überläßt." Dieses Gesetz galt von 1961 bis 1975. In Deutschland ging der Gesetzgeber davon aus, dass die Erkältung eine Beschwerde, eine Unpässlichkeit ist, also keine Krankheit. Das Amtsgericht Bremen verurteilte Ende der 1950er Jahre einen Drogisten, der Kopfschmerztabletten verkaufte. Die Revision führte das OLG Bremen zurück in die Kaiserliche Verordnung von 1901, die den Verkehr mit Arzneimitteln regelte. Das OLG meinte trotzdem, dass Schnupfen - wie auch Sodbrennen oder Kopfschmerzen - keine Krankheit sei. Weil das Kammergericht aber mit Urteil vom 26. September 1956 erklärte, dass "als Krankheit jede Störung der körperlichen und geistigen Gesundheit, d.h. jede Abweichung von der Norm" gelten solle, die geeignet ist, das Wohlbefinden zu beeinträchtigen", hatte das OLG Bremen um Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH) gebeten. Mit Beschluss vom 21. März 1958 (Az. 2 StR 393/57) darf sich jeder Mensch - mit dem ersten Niesen eines sich bahnenden Schnupfens - offiziell krank nennen! Die Moderne rechnet sogleich den volkswirtschaftlichen Schaden aus, der durch anwesend verschnupfte Mitarbeiter entstehen kann: 130 Milliarden Euro im Jahr. Nun sind Deutsche entweder old school. Sie gehen arbeiten bis der Arzt kommt - oder Deutsche sind new school, dann ist der minimalste Anstieg der Körpertemperatur desaströs, ein hörbarer Hilfeschrei der Seele. Deutsche Medien machen in einer Pandemie die größten Fehler. 1. Wenn man über Wellen berichtet, die über das Land kommen werden, dann fördert man den Aluhut. 2. Wenn man Corona-Zweiflern das Strafgesetzbuch aufbrummt, ihnen also eine Virus-Erkrankung einhämmern will, die sie nicht verstehen, dann ist das politisch und menschlich falsch. 3. Wenn ein Bürgermeister im Vorstand einer Klinik sitzt, dann macht es den einst hochangesehenen Chefvirologen unter Umständen unglaubwürdiger, da er nicht den Eindruck der Unabhängigkeit vermittelt. Fassungslos macht mich nicht die Gesetzgebung. Fassungslos macht mich auch kein Herr Wendler. Fassungslos macht mich eine unsouveräne Menschenmasse, die ihm nichts Fachliches entgegenbringt. Sie benehmen sich so, wie er es voraussagt. Selbst der durch Dauerweichzeichner selbstportraitierte Herr Bohlen sagt nicht: "Ey, Kumpelchen. Was fehlt Dir denn? Der kritische Herr Kubicki von der FDP verhindert auf jeden Fall eine von Dir befürchtete Zwangsjacke." Humorlos und kerngesund(!) zeichnet sogar eine Computerzeitschrift den Herrn Wendler wie einen gefährlichen Psycho. RTL hätte souverän schreiben können: "Seine Trump-Nähe passt nicht zu unserem Konzept. Alles Gute für Herrn Wendler." Kaufland hätte den Werbevertrag schlicht kündigen können. Sie machen noch eine Umkehrwerbung daraus: Wir, die Guten, jagen das Böse aus dem Land. Das hat mir zu esoterisch narzisstische Züge. Wenn in meinem Geschäft maskierte Menschen skeptisch sind, dann habe ich keine staatlich politische Mission zu erfüllen. Ich habe eine Skepsis zu akzeptieren. Ich finde Skeptiker sogar hochinteressant: Polizisten, Apotheker, Ärzte, Gesundheitsämter. Ich bin kein Sittengemälde - für keinen Staat.

Das letzte Hemd hat keine Daten

Als ich beruflich begonnen hatte quasi aus der Reihe zu tanzen, da lachten viele in der Branche. Ein deutsches Phänomen. Mich hat das nicht beirren können, denn ich habe die Defizite innerhalb der Bestattungsbranche erkannt. Dieses Lachen führte dazu, dass der Zerfall der Familienbetriebe schlicht nur beobachtet wurde. So nach dem grotesken Motto: "Da geht was unter. Wir können nichts dagegen tun." Diese Unfähigkeit lag an starren, also unbeweglichen Strukturen. Ein deutsches Phänomen. Existierende Familienbetriebe bewahren eine Dynamik, also Bewegung: Die Jungen inspirieren durch neue Ideen die Alten. Die Alten inspirieren die Jungen durch Erfahrung. Der Vorteil an Familienbetrieben ist, dass die Frühwarnsysteme funktionieren. Ein Investor könnte kaum einen intakten Familienbetrieb spalten. Ein Betrieb, der die Verbindung zu seinen Mitarbeitern und zu seinen Kunden gecancelt hat, hat keine Frühwarnsysteme mehr. In so einen Betrieb können Investoren schnell einen Keil treiben. Bestes Beispiel ist der Politikbetrieb. Protagonisten der Welt treiben ständig Keile und Politiker merken das nicht, weil sie Verbindungen zur Bevölkerung aufgelöst haben. Sie soll nur noch zahlen und klatschen, wenn sich Politiker auf Bühnen an den Haaren ziehen. Das Frühwarnsystem für Katastrophen wurde nach dem Zweiten Weltkrieg nicht modernisiert. Aktive Spionage wurde nach dem Zweiten Weltkrieg unterlassen. Spionageabwehr blieb damit auch, wie ein altes Spielzeug, liegen. Nach dem Fall der Mauer traf man tatsächlich unzählige Spionageabwehrtalente, deren Talente bis heute verrotten. "It´s all about Data." Ein Mantra der digitalen Moderne; kein Firmenmanager und kein Politiker denkt darüber nach, dass Daten über Kommunikationsplattformen gefischt werden. Ein junger Mann gründet ein Start-up. Investoren aus aller Welt pumpen Geld in dieses Start-up. Sie wollen Daten. Der CEO ist unwichtig. Er wird mit viel Geld in einen Freudentaumel versetzt und so begibt er sich auf seinen Höhenflug. Das funktioniert, weil ein Start-up kein Familienbetrieb ist. Loyalität ist das Fremdwort, wenn er seine Firma, beladen mit Kommunikation, Firmendaten und Kundendaten, meistbietend weiterverkauft. Eine Blase entsteht, die einen Rückschlag verursacht. Kunden kehren Unternehmen intuitiv den Rücken zu. Logisch. Es gab keine Anbindung. Obendrauf wurden ihre Daten von Unternehmen nicht geschützt. Der Mechanismus ist bei jedem Unternehmen identisch - auch bei politischen Unternehmen. Richtig perfide sind diese Telefonchat-Apps. Die Betreiber verkaufen eine Gruppendynamik. Die Investoren wollen ausschließlich den Datenzugriff. Wenn ich also infantile Gruppenchat-Einladungen über eine SMS bekomme, dann gebe ich die Daten meines Telefons bewusst frei. So blöd kann kein Unternehmer sein - sollte man denken. Mittlerweile dienen diese Chats der Arbeitseinteilung. Mitarbeiter vieler Firmen sind völlig abgenervt, weil sie an Wochenenden Nachrichten über eine Arbeitsgruppe im Telefonchat ertragen müssen, um zu erfahren, dass sie für einen Krankheitsfall einspringen müssen. Die Spaltung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist perfekt. Intuitiv weiß jeder Mensch, dass er von einem jeweils anderen Menschen ausgehorcht wird. Menschen aus der ehemaligen DDR kapieren das sofort. Ihr Talent wurde bis heute nicht erkannt. "It´s all about Data."

Trauer und Politik

Ich finde heute, dass Trauer und Politik sich gefährlich angenähert haben. Selbst Herr von Dassel von den Grünen findet eine Leichenausstellung in seinem Bezirk Mitte aufregender als den sensationellen Fotografen Sven Markquardt. Seine Ausstellung Stageless knallt einfach. Seine Arbeit zeigt deutlich, was Europäer können, was in Menschen aus der ehemaligen DDR für eine unglaubliche Fantasie schlummert. Und da ist sie sichtbar, die konsequente Melancholie, die keine Depression zulässt. Das hatte sonst nur Peter Lindbergh. Sven Markquardt balanciert perfekt und erfolgreich das Gute und das Böse aus. Es kippt nie ins Lächerliche, ins Verletzende. Er hat es nicht nötig, die ethische Grenze zu überschreiten. Das ist sein wahrer Reichtum. Das kann nur ein Mensch, der gelernt hat seine Freiheit hinter einer bewachten Mauer zu bewahren. Kommen wir zum Trauerspiel des Herrn Olaf Scholz von der SPD. Er wird nach seinem Reichtumsempfinden gefragt. Er verneint. Er sagt, dass er sich nicht zu den Reichen zählt. Dann grinst er. Seine Ernte ist ein Shitstorm im Internet. So geht es armen Politikern! Ich möchte lebendige Antworten hören, die so klingen: "Selbstverständlich bin ich reich. Ich bin Vizekanzler. Ich verdiene ziemlich viel Geld und ich möchte Handwerker, Arbeiter, Rentner und Familien in die lebendige Nähe meiner Gehaltsklasse führen, deshalb deckte ICH die Cum Ex Geschäfte auf, nicht etwa die Medien. Ja! Ich bin ein reicher Mann, weil mich die Bösen fürchten und die Guten mögen." Ich möchte von Politikern keine Trauerreden mehr hören müssen, die Arme in Armut halten wollen! Ich möchte meinen Teil beitragen, dass der Sozialstaat nicht eingeäschert wird, also das Einschleichen eines Steuerstaates verhindern. Es gibt ein neues Start-up aus Amsterdam. Der Niederländer Robert Vis gründete MessageBird. Seine Plattform soll die Kommunikation zwischen Unternehmen und Kunden einfacher, schneller und effizienter machen. Aktuelle Kapitalgeber pusten seinen Vogel mit 200 Millionen US-Dollar auf - und so hat MessageBird einen Wert von drei Milliarden Dollar. Die Rechnung kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Sicher wird ein Mensch meinen Weg kreuzen, der mir das erklären kann. Robert Vis, der CEO von MessageBird, hat weltweit 15 000 Kunden. Die Deutsche Telekom gehört dazu, die Lufthansa, Mercedes, Hellofresh und die Solarisbank. Nach so einer großen Information schreibe ich der SPD natürlich keine Briefe mehr. Ich suche und ich warte auf den BundesBird. Irgendwann (!) muss doch ein einziger Politiker, der Handwerk und realistische Arbeit auf Kosten der Digitalisierung beerdigt, auf die Idee kommen, die moderne Kommunikation mit Menschen, mit Berufsgruppen, mit Altersgruppen in diesem Land zu verbessern. Ich persönlich brauche für Kommunikation mit meinen Kunden keine drei Milliarden US-Dollar. Wenn Deutschland ein Start-up wäre, dann hätten wir im Jahr 2018, als Investoren, 713,6 Mrd. Euro investiert. 39,0 Mrd. Euro mehr als im Vorjahr 2017. Eine wie auch immer geartete Kommunikation mit der Bevölkerung, mit den Medien wurde von der Kanzlerin höchtpersönlich eingegraben. Dieser tödliche Fehler muss korrigiert werden; die Kommunikation muss ausgegraben werden - sie lebt.

Betet für Trump

Deutsche, aus Ost und West, mit oder ohne Migrationshintergrund müssen für Trump beten. Andernfalls kann er seine Kredite bei einer deutschen Bank nicht tilgen. Wir alle, die wir mit deutschen Pässen in diesem Land leben, wirken, Steuern zahlen - obendrauf mit Karten unsere Einkäufe bezahlen, sind Republikaner - auch die Linke. Wenn wir das nicht sein möchten, dann sind wir Bargeldbefürworter, also knallharte Anhänger der AfD, gar Anhänger der Reichsbürger, die eine andere Währung bevorzugen. Sind Anhänger der Krypto-Währung eigentlich auch Reichsbürger auf ganz hohem Niveau? Hängen die Bitcoin-Könige auch an einer deutschen Bank? Politiker drehen sich im Kreis und wollen das Große, das Ganze verstehen. Und so werden die kleinen Schritte schlicht nicht mehr gelaufen. In den Krematorien der ehemaligen DDR, in Berlin auch Umland genannt, ist die Seebestattung eine anerkannte Bestattungsform. In Berlin, ehemals West, gibt es einen Friedhofszwang. Also muss ein Berliner 60,—€ bei der Senatsverwaltung bezahlen, um eine Ausnahmegenehmigung zu erhalten. Bisher wurde nie eine Seebestattung abgelehnt. Es stellt sich also die Frage: "Warum braucht man dann eine Erlaubnis?" So ist das eben. Es gibt Berlinverordnungen, die eingehalten werden müssen. Nun gibt es Berufsverbände, Berufsorganisationen, Kammern und Gruppen, die 30 Jahre nach Mauerfall keine Gespräche mit der Senatsverwaltung führten. Insofern punktet das Umland, also die Ehemalige, bürgerfreundlich. Die dortigen Behörden verzichten auf 60,—€ pro Seebstattung. Bei 1000 Seebestattungen verzichten sie also auf 60.000,—€, was traurigen Menschen natürlich sehr entgegenkommt. Nun gibt es in Berlin immer dann eine allergische Reaktion, wenn man daran erinnert, dass die Welt vor der eigenen Tür verändert werden muss. Die klingt meist so: "Sie nun wieder… Jetzt spielt sie sich auf, wie die Innungsmeisterin von Berlin und Brandenburg, wie die Präsidentin der Handwerkskammer…" Heute sitzen Menschen an ihren öffentlichen Kanälen und finden Trump ganz furchtbar. Sie sind im Grunde Republikaner; sie sind sogar sein Sprachrohr, weil sie es unterlassen, die kleinen Schritte zu gehen. Sie sind zu faul vor der eigenen Tür aufzuräumen. Aufräumen meint hier nicht den städtischen Bahnverkehr in Brand zu stecken. Aufräumen meint aufstehen, Tür öffnen, erkennen und ändern.

Der Ostsound führt zu Weltruhm

Wenn man einem Wessi den Namen Olaf zu bedenken gibt, dann denkt er an den Schneemann und an Hape Kerkeling, der ihm eine Stimme gab. Fast romantisch. Olaf Scholz findet, dass die Einheit eine Erfolgsgeschichte ist. Wie frapierend simple und unkompliziert Politik plötzlich sein kann. Wenn man einem Wessi den Namen Ilko-Sascha Kowalczuk zu bedenken gibt, dann kommt…nichts. Ilko-Sascha. Der Name ist so einzigartig, dass man ihn nicht mit einer Figur von Disney verwechseln kann. Er ist Historiker. Kein Mensch kennt ihn, auch nach 30 Jahren nicht. Er hat den DDR-Sound, den ich unheimlich gerne mag. Seine Sprache ist einfach, gerade, schnörkellos. Gleichermaßen liegt in diesem Sound eine konsequente Melancholie, die eine Depression nie zulassen würde. Dieser Sound verzichtet auf Sarkasmus, Zynismus und Ironie. Heute schreibe ich, was kein Wessi schreiben würde: Weltstars stammen auch aus der ehemaligen DDR: Armin Mueller-Stahl, Nina Hagen, Katarina Witt, Rammstein, Tokio Hotel. Nun war Berlin (West) eine kleine Insel in der DDR; und es grenzte perpektivisch schon an Größenwahn, Menschen nach dem Mauerfall mit 100 Mark zu begrüßen, die angeblich unmittelbar in einen kämpferischen Konsumrausch fielen. Man stelle sich kurz vor, DER Christa Wolf, eine Frau, die bis zum Schluss an eine sozialistische Demokratie glaubte, einen Hunni in die Hand zu drücken - womöglich eine Banane, um dann zu sagen: "Die Einheit ist eine Erfolgsgeschichte." Natürlich fuhr nie ein Wessi an die Ostsee, in die Uckermark, gar nach Ribbeck. Niemals. Natürlich kaufte kein Steuervermeider Immobilien in der Ehemaligen… Niemals. "Freiheit und Einheit muss man voneinander trennen.", sagt Ilko-Sascha Kowalczuk - der unbekannte Historiker, der es besser wissen muss. Die Freiheit stand nach dem Mauerfall im Vordergrund - nicht die Einheit. Die Freiheit. Ist das nicht wunderbar. Eine Mauer fällt und zunächst ist jeder Mensch frei. Alle Wege sind unbegrenzt. Kein Gedanke wird zensiert. Der Historiker beschreibt nicht eine sofortige Suche nach Geldquellen. Er weiß, dass Menschen zunächst ihre Freiheit genießen wollten. Das spiegelte sich auch in der Berliner Clubszene/Raverszene - freie Räume wurden mit Kunst gefüllt. Sie wurden ausgelassen betanzt. Aus die Maus. Einheit. Westprogramm. Vereinte man eine sozialistische Demokratie, weit entfernt vom Kommunismus, die Christa Wolf durchdachte, mit der sozialen Marktwirtschaft, käme eine Einheit raus. "Kommst Du aus dem Westen oder aus dem Osten?" Diese und ähnliche Fragen belegen, dass es keine Erfolgsgeschichte gab. Insofern ist es fast schon absurd, dass Menschen, die einen Migrationshintergrund haben, sagen können: "Ich bin Deutsche, ich bin Deutscher." Man müsste dann fragen: "Kommst Du aus dem Osten oder aus dem Westen?" Ich wundere mich über Menschen, die das so ganz stramm sagen können. Ich trug bis zum Mauerfall einen behelfsmäßigen Ausweis. Ich könnte nie sagen: "Ich bin Deutsche." Das ist, klar dokumentiert und klar zu erkennen, ein leeres Wort. Ich nenne mal ein Beispiel für genaues Geschichtstraining, welches die Zerrissenheit irgendwie ordnen soll. Die DDR gab es seit 1949. Für mich gab es die DDR tatsächlich erst mit dem Mauerbau. Und so hat jede Generation eine oder auch keine Sicht auf Erinnerungen, denn für Teenager gibt es nur eine dokumentierte DDR. Olaf Scholz meint ausschließlich, dass er Land zurückerobert hat. Die Menschen, die dort lebten, möchte er nicht authentisch. Er möchte sie umerziehen. "Stay Free" steht heute an der Mauer.