Die Begegnung mit dem Leben

Trauernde Kinder werden immer wieder - auch viele Jahre nach einem Todesfall - Geschichten hören, die ihrer Geschichte ähnlich sind. Und doch bleibt ihre Geschichte einzigartig. Es gibt viele richtig tolle Begegnungen, die berühren, weil sie offen sind. Es gibt auch merkwürdige Begegnungen, die belehrend sind. Es gibt auch die Begegnungen mit Menschen, die Geschichten toppen möchten. Wenn Elternteile sterben, egal an welchen Folgen, tauchen auch Fragen auf. Sie bleiben offen. Kinder lernen dadurch, dass Fragen nicht zwingend von einem Gegenüber beantwortet werden müssen. Ihre Fragen dürfen zunächst einfach aufgestellt werden. Fragwürdige Erwachsene brillieren sofort mit einer Summa cum laude-Antwort. Wissenschaftliche Fakultäten würden die meisten Eltern also durchfallen lassen. Unsere magische Welt lässt trauernde Kinder nicht einfach fallen. Sie schenkt ihnen unbefangene Begegnungen. Es sind keine Begegnungen mit dem Tod. Es sind keine fragwürdigen Begegnungen mit Geistern. Es sind keine Begegnungen mit Scharlatanen, die die Hinterhof-Exorzisten geben. Die Begegnungen kommen, wenn man die Antwort nehmen kann, wenn man die Antwort wirklich hören möchte. Ich nenne ein Beispiel aus meinem Leben. Meine Mutter starb vor unfassbar vielen Jahren. Sie nahm sich ihr Leben selbst. Sie lebte als Frau quasi in der falschen Zeit, denn der Kampf um gleiche Rechte ermöglichte erst meiner Generation ein wirklich frei wählbares Leben. Ich trug immer eine Frage in meinem Herzen: Könnte mir meine Mutter alles Glück in Freiheit wünschen? Oder sollte ich ein schlechtes Gewissen haben? Obgleich ich nie an der Großherzigkeit meiner Mutter zweifelte, hatte ich ein wenig Angst vor der Antwort. Ich wollte vielleicht etwas zu lange die gesellschaftlichen Mechanismen verstehen, die sie in den Tod getrieben hatten; und diese Mechanismen säen Zweifel. Früchte, die Trauernde generell nicht essen sollten. Vor kurzem hatte ich eine digitale Begegnung. Auf Instagram findet man nach einem Zufallsprinzip Reels, Fotos und Texte von Menschen, Stars, Firmen, Organisationen und Künstlern. Man steigt quasi quer ein und weiß zunächst nichts wirklich. Ich sah das Standbild einer Frau, die die Strahlung meiner Mutter hat. Große Augen, schöne Wimpern, kernige Kurzhaarfrisur, große klassische Ohrringe, sinnlich rote Lippen, ein präsent herzlicher und selbstbewusst verbindlicher Mensch. Im Alter von 20 Jahren, also 6 Jahre nach dem Tod meiner Mutter, hätte ich dieses Déjà-vu sofort bedeckt. Zu traurig, zu schmerzhaft, zu früh! Ich klickte auf das Bild und ein Reel startete. Die Frau sagte: "Ich weiß nicht für wen das jetzt ist, aber vielleicht ist das jetzt für Dich." Und dann erzählte sie, dass man manchmal eine Begegnung mit der Vergangenheit hat. Sie nannte es eine Begegnung mit dem Leben, das etwas fragt, weil man vielleicht an einer Schwelle steht. Und so fragt das Leben: "Willst Du zurück, weil Du denkst, dass es dann besser läuft? Willst Du die Geschichte, mit allen Gefühlen, nochmal durchleben? Oder übertrittst Du die Schwelle und gehst nach vorne?" Diese Frau im Internet hat eine schöne Stimme, einen sprachlich strukturierten Aufbau, eine eigene Dramaturgie und so klickte ich erneut ein Reel an. Plötzlich erzählte die Frau ihre persönliche Geschichte. Gleichermaßen erzählte sie, eine wildfremde Frau, die Geschichte meiner Mutter. Ich hörte ihr zu und ich finde es noch immer traurig, dass Menschen auch heute erleben, was Menschen in den 60er Jahren erlebten. Ihre Geschichte ist eine Geschichte, die alles Leben manipuliert und abtötet, die alles Leben gängelt, die wahre Worte im Keim erstickt. Es ist keine entfesselte Geschichte, die schöne Abenteuer birgt. Es ist eine Geschichte voller Klagen und Lügen. Es ist ein unsäglich schlechter Film, den kein Mensch sehen wollte. Und dann klickte ich zufällig jenen Reel an, der mir die Antwort auf meine Frage gab. Die Frau sprach großherzig, wie meine Mutter mit uns Kindern sprach, wenn es um unsere Zukunft ging. In dem Reel der Frau ging es um den Aufbruch aus einer vertrauten Welt, in der man sich sicher fühlt, weil man sie schlicht kennt. Sie erinnerte daran, dass man nicht in zwei Welten gleichzeitig leben kann; und sie erklärte die Angst, die aufkommt, wenn man über seine Brücke gehen muss, um seinen neuen Weg einzuschlagen. Sie beschrieb die Angst vor der eigenen Größe, vor dem eigenen Licht, weil die gesellschaftlichen Diffamierungen bekannt und fast schon gewohnt seien. Zum Abschied sagte die Frau ganz sicher und ruhig: "Ich möchte Dich heute ermutigen. Geh über die Brücke. Du hast es verdient. Daran wollte ich Dich heute kurz erinnern." In mir leuchteten alle Ahnungen auf und manifestierten sich. Meine Mutter nahm sich ihr Leben, weil sie uns Kinder aus einem Film sprengen musste, den miese Menschen noch heute ablaufen lassen. Sie hat jedem Menschen die Freiheit gewünscht und auch gegönnt. Sie wollte uns Kinder ins pralle Leben werfen.

Lasten

Als erfolgreiche Unternehmerin in Berlin hat mich die gesamte Verwaltung zu interessieren, weil ich nicht im luftleeren Raum arbeite. Es ist der Monat Juli und alle arbeitenden Menschen in Deutschland haben in diesem Jahr zunächst dafür gearbeitet, dass der Verwaltungsapparat "läuft". Dazu gehören Schulen, Gerichte, Standesämter, Infrastruktur. Renten und Pensionen müssen geleistet werden. Kriege müssen finanziert werden. Die Verteidigung des Landes muss finanziert werden. Die Europaparlamentarier müssen finanziert werden. Ab jetzt arbeiten Menschen für sich und ihre Familien. Übersteuerte Mieten belasten Haushalte. Nicht nur das. Fehlerhafte Hausgeldabrechnungen werden arrogant umgelegt und abgefeiert. Ignoranz und Unfähigkeit ersetzen heute jede Plausibilitätsprüfung. Schweigen oder Pampigkeit ist der neue Fachterminus. Wenn eine Firma einen Fußboden mangelhaft verlegt, dann erwarten steuerpflichtige Menschen lebenserfahrene Richter, die wissen, dass eine verpflichtende Mangelbeseitigung, ein Abnahmeprotokoll, ein Recht auf Widerruf den ahnungslosen Verbraucher schützt. Das meint: Keiner muss Fußbodentechniker werden, bevor er sich einen Fußboden verlegen lässt. Tatsächlich legen Richter nicht selten Gerichtstermine in eine Schleife von 9 Monaten. Sie wissen nicht einmal mehr, dass es Verzögerungsrügen gibt, die den Rechtsschutz von Opfern oder Geschädigten gewährleisten. Ich habe mich kürzlich mit einer Beamtin beim LKA unterhalten. Sie selbst ist Mieterin. Sie hat keine Eigentumswohnung. Aufgrund ihrer Lebenserfahrung und ihrer profunden Ausbildung hat sie sofort verstanden, warum Hausverwalter eine Prüfung bei der IHK ablegen müssen. Hoffe ich mal nicht, dass am Ende ein Richter steht, der einen Betrugsfall bagatellisiert, weil er Mieter als Profitquellen betrachtet, wie AirBnB. Hinzu kommt, dass das erarbeitete Geld der Menschen in Rechtsschutzversicherungen fließt, die dann den Anwalt aus irgendwelchen Gründen nicht bezahlen (Kosten der Instanzen z. B.). Nun ereignet sich ein Trauerfall und das in Strecken erarbeitete Geld der Menschen, eigentlich für einen Urlaub gedacht, geht für die Bestattungskosten drauf. Von diesen Bestattungskosten nimmt sich der bereits finanzierte Verwaltungsapparat 19% Mehrwertsteuer. Das beleidigt mein Fachauge über jedes Maß. Diese Beleidigung schlägt in Verachtung um. Ich muss als Unternehmerin sogar Verwalter von Steuergeldern verachten. Denn diese steuerliche Handlung spricht eine deutliche Sprache. Es freut den Staatsverwalter geradezu, dass arbeitende Menschen ihre Kinder, ihre Eltern, ihre Ehepartner, ihre Geschwister verlieren. Er sitzt am Sterbebett und greift nach ihrer Geldbörse. Dieses Blutgeld fließt womöglich in Schulprojekte. Und das nenne ich vorsätzliche Körperverletzung. Wer sich an Toten so unverschämt bereichert, der hat keine Probleme, Menschen in den Suizid zu treiben; der hat keine Probleme Kindern das Geld aus der Tasche zu stehlen, der hat keine Probleme Gräber zu besudeln. Die Tatsache, dass irgendwer gerade keinen Todesfall zu beklagen hat, macht es im Grunde noch schlimmer, denn der deutsche Staatsverwalter frisst an jedem Tisch mit. Er beißt sogar in das Schulbrot der ärmsten Kinder, der traurigsten Waisen. Selbstverständlich muss zeitnah die Steuer auf Nahrungsmittel entfallen, denn es ist ein Überlebensmittel. Und selbstverständlich ist die Bestattung wenigstens ein Lebensmittel, wie Bücher oder Blumen. Für nichts anderes wähle ich unsere Verwalter. Klar ist, dass der Staatsverwalter größtes Problem ist, der die Menschen im Land belastet. Dafür wird er nicht gewählt.

Spirit im Alltag

Jeder Mensch ist spirituell. Das kann ich deshalb so sicher sagen, weil ich seit 30 Jahren ausschließlich in spirituelle Gesichter sehe. Sie sind traurig, sie sind energetisch unterversorgt, sie sind matt und müde oder auch eigentümlich fröhlich durch Übermüdung, manchmal sind es auch wütende Gesichter, weil in der Familie etwas nicht nach Wunsch läuft. Es sind immer spannende Gesichter, die Geschichten erzählen. Selbst jene Menschen, die die Klischees von Spiritualität ablehnen, haben Spirit. Spirituelle Menschen sind spannend, weil sie ein Geheimnis bleiben, weil sie auch plötzlich für Überraschungen sorgen können. Eine 11-Jährige spielt bei der Trauerfeier ihrer Oma das erste Lied auf dem E-Piano. Ein Tango-Verein tanzt in der Trauerhalle für ein verstorbenes Vereinsmitglied. Biker fahren für einen verstorbenen Motorradkumpel im Korso hinter dem Bestattungsfahrzeug. Sie sehen extrem unspirituell aus. Sie alle zieren ihre Körper aber mit spirituellen Tattoos. Mit dem tätowierten Totenkopf beenden sie ihre Angst vor dem Tod. Sie erklären ihn schlicht zum Freund. Die weißen Fahrräder in den Straßen Berlins erinnern an jene Menschen, die im Straßenverkehr ums Leben kamen. Die Namen an der berliner Gedächtniskirche erinnern an jene Menschen, die durch Terror ums Leben kamen. Im Alltag, so scheint es, geht Spirit unter. Tatsächlich wird er immer stärker. Die Generation meiner Eltern hat Spiritualität in Tonnen nach Deutschland verfrachtet. Noch heute findet man auf Ibiza die legendären Postfächer in 'Anitas Bar'. Hippies nutzten diese Postfächer; und dann machten sie sich auf den Weg nach Indien. Das war sogar ein spiritueller Tornado, denn Adolf Hitler hatte jede Religion verdreht, verlacht, benutzt. Er hat Religiöse missbraucht. Er hat Musik missbraucht. Er hat Menschen missbraucht. Er hat Kinder missbraucht. Er hat Macht missbraucht. Er war ein herzensdummer Mensch. Er war ein Narzisst. Er wollte nicht die Liebe zerstören. Er wollte den Spirit einer ganzen Nation zerstören. Er führte die Menschen nicht in ihre Zukunft. Er beeinflusste und kontrollierte eine Stimmung, die sich gegen sie selbst richtete. Schuldig wegen Rassenschande. Schuldig wegen Homosexualität. Schuldig wegen entarteter Kunst. Schuldig, wenn man Menschen deckte und versteckte. Schuldig, wenn man bei Juden kaufte. Er stellte einen mörderisch furchteinflößenden Mob auf die Beine. Er hat Bücher verbrennen lassen. Der Dummkopf hat Köpfe und Nasen vermessen lassen. Er war so herzensdumm, dass er Intelligenz in Gänze verschwinden ließ. Er hat politische Sachkunde abführen lassen. Und als er den Spirit des Landes völlig verdreht und durch den Dreck gezogen hatte, fiel die Ethik von alleine um. Er hat aus Notaren Idioten gemacht, die, wie dumme Teenager, Radiergummis in Grundbüchern ansetzten. Er hat aus Richtern gehirnlose Killer gemacht, die Familien trennten, die Familien demütigten, die Familien töten ließen. Ein banaler Dummkopf hat unzählige Menschen in den Suizid getrieben. Noch heute fragen mich Angehörige, was eigentlich mit dem Zahngold von Verstorbenen passiert. Die ganze Welt fragt sich: "Wie nur konnte Adolf Hitler passieren?!" Diese herzensdumme Frage belegt heute, welche Ausmaße die Zerstörung von Spirit hat. Und es kommt nicht von ungefähr, dass junge Menschen die Flower Power reloaden. Sie reparieren Spirit. Vielleicht reparieren Muslime ebenfalls Spirit. Das muss ich sie erst noch fragen. Möchten Menschen Menschen ohne Spirit treffen? Nein. Das möchten sie nicht. Sie wären in einem kontrollierten Raum eingesperrt, in dem stumpfsinnige Narzissten die totale Überwachung als Intelligenz verkaufen. Was ich an jenen Menschen liebe, die in der ehemaligen DDR aufwuchsen, ist, dass sie wache spirituelle Reflexe haben, wenn es um Überwachung geht. Sie sind eine kolossal spirituelle Defence, um Google, Facebook und WhatsApp auf Abstand zu bringen. Sie verabscheuen alles, was sie an die Stasi erinnert! Narzissten haben immer zwei Gesichter; und sie wissen selbst nicht mehr, welches ihr reales Gesicht ist. Bis vor zwei Jahren wusste ich nicht, dass es sogar in Wohnhäusern Spirit gibt. Ich beobachte seit 2 Jahren, welche Ausmaße es hat, wenn ein Dummkopf diesen Spirit zerstören will. Spirit ist allgegenwärtig. Spirit bietet alle Facetten, die Trauernde zum Überleben brauchen. Herzensdummheit gehört nicht dazu!