Seelenverwandte
19/07/26
Ich habe noch nie, außerhalb meiner Familie, eine Seelenverwandte getroffen. Ich kann es nicht generell ausschließen, weil ich nicht Gott spielen möchte, weil ich auch nicht in seiner Firma herumwühlen möchte. Ich würde sein natürliches Konzept verstellen und manipulieren. Narzissten machen das gerne und deshalb fühle ich mich in meiner Denke bestätigt, dass Trauergruppen keinen Sinn ergeben. Sie ergeben noch weniger Sinn, wenn sie von Laien, dazu gehören Bestatter, durchgeführt werden. Trauma ist keine Verbindung zwischen Menschen. Narzissten benutzen das Szenario, um Abhängigkeiten zu schaffen. Mütter, die über ihre komplizierten Schwangerschaften sprechen, sind deshalb keine verbundenen Schwestern im Geiste. Männer, die in Krankenhäusern über ihre ähnlich schweren Unfälle sprechen, sind keine Bros im Geiste. Trauernde, die über ihre Gefühle zu einem Todesfall sprechen, sind nicht miteinander verbunden. Sie sprechen über ihre Gefühle, mehr nicht. Warum eine fremde Gruppe helfen könnte erschließt sich mir bis heute nicht, denn in einer fremden Gruppe müsste man anderen Trauernden zuhören. Wirklich zuhören können aber nur Menschen, die nicht traurig sind, die völlig klar sind. Narzissten benutzen Kummer und Leid, sie benutzen die Traurigkeit im Gegenüber. Sie schöpfen auf ekelhafte Weise Kraft aus dem Kummer eines Gegenübers. Trauer und Kummer ist in der Denke von Narzissten Schwäche. Sie wollen schwächen, wollen Schwache abbilden, um jene zu kontrollieren, die durch einen Todesfall tatsächlich Superman-Kräfte entwickelt haben. Die Aufmerksamkeit, die Narzissten meinen zu geben, liegt am Nullpunkt. Sie sind nicht fähig Fragen stellen zu können. Sie gaukeln magisches Wissen vor, um eine Seelenverwandtschaft schlüssig zu machen. Eine Traumabindung ist im Grunde keine Bindung, keine Verbindlichkeit, keine Verbundenheit, sie basiert auf Zuwendung und Missbrauch, auf Gaukelei. In meinem Buch >>Bunte Särge<<, das im Jahr 2003 auf den Markt kam, musste ich den Tod meiner Mutter einbinden, damit der Leser erkennen konnte, warum ich im Beruf kontrovers bin und bleibe. Mit dem Erscheinen des Buches kamen endlich unwahrscheinlich viele intelligente Menschen in mein Berufsleben, die mein Wissen bereicherten, die meine Arbeit durch ihr Können bereicherten, die mein Denken erweiterten, die meine Perspektiven größer machten, die den Lebensbaum im Todesfall zum Erblühen brachten. Durch diese vielen guten Menschen, die sich auch durch mein Buch trafen, flogen die Narzissten zwangsläufig auf, die mit schlampig deplatziertem Bombing einen Raum einnehmen wollten. Ich wurde mit David Bowie, Tilda Swinton und Annie Lennox verglichen, meine absolut unikate Mutter wurde verglichen, ihr Suizid wurde auf Wühltischen mit anderen Müttern verglichen. Meine kategorischen Abweisungen wurden immer damit erklärt, dass ich wohl meine Mutter in jenen Narzissten erkannte und Verwechslungen pflegen wollte. Narzissten kalkulieren nie ein, dass Narzissten nur ein einziges Programm haben, also den immer gleichen Mist erzählen. Sie kalkulieren nicht ein, dass ein Gegenüber intelligent sein könnte. Frauen wurden über Jahrhunderte mit diesem Programm bombardiert. Meine Frau hat ihren Vater verloren, deshalb ist sie oft hysterisch. Meine Frau hatte eine zu weiche Mutter, deshalb braucht sie meine liebevolle Strenge. Meine Tochter braucht einen Vater, die Mutter ist zu weich. Narzissten können keine Fragen stellen. Sie fürchten immer die Antwort, die Absage, die berechtigte Ablehnung. Narzissten können nicht einmal das Leuchten eines Glühwürmchens ertragen. Deshalb sind sie Auslaufmodelle, auch für einen gesunden Feminismus. Wenn man das Mantra pflegt, dass zum Beispiel Frauen Seelenverwandte sein könnten, dann muss man wissen, dass Trauma keinesfalls verbindet. Es soll nur Abhängigkeiten schaffen, die langweilen dürfen.