Heuchelei und Lüge
14/04/26
Ich schätze an meinen Hinterbliebenen, dass sie am Ende des Lebens, also bei einer Bestattung, immer ehrlich und wahrhaftig sind. Die Heuchelei und die Lüge in diesem meinem Berufsfeld wurde durch so viele Menschen in Deutschland aufgebrochen und beharrlich geknackt. Warum auch nicht. Tyrannen mussten noch in den 1980er Jahren als freundliche Menschen verabschiedet werden. Männer, die ihre Frauen schlugen, die ihre Kinder schlugen, wurden bei Bestattungen heilig gesprochen. Plötzlich waren sie die liebenden Ehemänner und Väter. Der Herr im Himmel wird auch von den Kirchen zum Weihnachtsmann verklärt, der schlichten Gemütes transformiert, wie Copperfield zaubert, der die Peitschen in Zuckerwatte verwandelt. Ulrike Meinhof konnte nicht vom Weihnachtsmann verzaubert werden. Sie konnte bis heute nicht transformiert werden. Ihr Film >Bambule< deckte in den 1970er Jahren generell verschwiegene Kinderheime auf. Sie deckte die Methoden in diesen Heimen auf. Der Makel einer "perfekten" und "sozialen" Gesellschaft. Heimkinder waren Abschaum, Aussatz, Hunde, die ihre Eltern heilig sprechen sollten. Schwer erziehbare Kinder waren die Schuldigen, die man wegsperren musste. Das deutsche Elterngebilde blieb unantastbar. Die Mutter und der Vater blieben das einzige Sittengemälde der Nation. Sozialarbeiter und Kriegsverweigerer waren Gammler, Verlierer, die sich um nutzlose Welpen kümmerten. Handwerker waren auch bei Bestattungen die 2. Klasse der Gesellschaft. Arbeiter waren die 3. Klasse der Gesellschaft. Erst viele Jahre später schrieb der Tagesspiegel auch Nachrufe für die 2. und 3. Klasse der Gesellschaft, also auf "die da unten". Es war zu spät, denn sie hatten das UNTEN resignierend angenommen. Es war auch deshalb zu spät, weil sich die 1. Klasse nicht mehr trug. Sie machten keine Auflage mehr. Die Heuchelei hatte bereits ein Ende gefunden. Die Abgründe wurden sichtbar. Die preußischen Rüstungen waren schwer verbeult. Frauen und Männer befreiten sich aus Zwängen. Der eiserne Vorhang schreckte weniger und weniger. Er wurde angemalt. Einst sprengte sogar ein Polizist ein Loch in den Vorhang. Heuchler setzen kein Denkmal. Sie besudeln das Denken. Am berliner Lokdepot möchten die uniformen Eigentümer, nicht die Mieter, die nur 2. Klasse sind, dass ich heuchle. Es ist tatsächlich ein Projekt geworden, mich aus meinen Räumen zu bekommen. Ich versuche, für meine Leser, zu heucheln: >>Der Beirat, Herr Rechtsanwalt Körperklaus, wird zurecht von einer demokratischen Beirätin bei Versammlungen beklatscht. Er hätte nie Jura studieren müssen. Ihm wurde das WEG-Recht bereits in die Wiege gelegt. Er ist ein kaufmännisches Genie und so hat ER, der sein Herzblut in Klagen fließen lässt, einen Verwalter gefunden, der so sortierte Abrechnungen erstellt, die eine buchhalterische Sinfonie ergeben, die jeder singen und tanzen muss. Er ist sogar amtierend und knickt sein edles Geschäftspapier an den oberen Ecken, wie jene Richter, die ihr Amtssiegel darauf stempeln. So einer braucht keine Bildung und Ausbildung. Er ist so überhaupt nicht muffig und staubig. Im Gegenteil. Seine Pop-up-Büros sprechen für Bewegung im Alter. Er unterstützt so großartig die Projektleiterin, die mein Bestattungsinstitut aus der Anlage vertreiben will. Sie, die große und übermächtige Eigentümerin, die ein leuchtendes Denkgenie ist, coacht Europaparlamentarier. Sie ist die 1. Klasse der 1. Klasse. Ihre Geschichten sind so über die Maße schlüssig und rund, dass sie im Grunde nicht arbeiten muss, denn dann wäre sie in der 3. Klasse. Leider hat der böse Mann sie mit einer Sekretärin betrogen, die aus dem Nirvana erschien. Sie ist ein Opfer. Sie war immer das Opfer der Welt. Dafür bucht sie gleich zwei Fitnesstrainer, die einen "Geist" mit ihrem Körper in Einklang bringen wollen; und sie hat den Rechtsanwalt, Herrn Körperklaus, an ihrer Seite, der sich überschwänglich um sie kümmert. Ein wahrer Held, der ihr das Händchen hält, sicher auch die Fußnägel lackiert und ihre 3 Katzen füttert, die auf der Terrasse leben, um die 130 qm Wohnraum nicht zu ruinieren. Ein omnipotent männliches Sittengemälde der Eigentümergemeinschaft.<< Schuld an der Zerstörung dieses Sittengemäldes sind jene Menschen, die nachts die Mülltone nach Verwertbarem durchsuchen - in UNSERER Straße! Dieses, wenn auch besser gekleidetes, Gesinde zerstört das Gemälde. Die können arbeiten gehen. Sie könnten nachts einen Becher Butter liefern. Das machen die Fahrer von Rewe schließlich auch. Niemand müsste einkaufen gehen, wenn dieses Gesinde endlich in den Lieferwagen zu bringen wäre. Setzt den Eigentümern vom Lokdepot ein Denkmal in dieser Stadt. Sie sind die Vorbilder einer modernen Gesellschaft. Sie machen Profit - auch im Minus! Ernst Reuter würde sagen: "Ihr Völker der Welt, schaut auf das Lokdepot!"