Verschwörungstheorien

Verschwörungstheorien gab es immer. Im Zeitalter der digitalen Wirtschaft bekommen diese Theorien natürlich ordentlich Schub. Meine Branche wurde von Menschen als Mafia bezeichnet; und solche im Geist gestörten Menschen denken dann, man müsse für die Realität Beweise antreten. In Teilen sorgen auch Medien für göttliche Verschwörungstheorien. Sie hängen noch immer am Club 27. Im Kern meinen Sie, dass der Himmel 27-jährige Stars zu sich holt. Das fehlende Warum befeuert eben einen Mythos. Sie ersetzen Verstand, da sie aus einem Zwang heraus Legenden erschaffen müssen, neue Götter. Sie erteilen in einem Anfall von Größenwahn ihre Absolution. Jimi, Janis, Curt und Amy hatten keine Drogenprobleme. Die Götter ruinierten ihre Stimmen, holten sie, um uns zu strafen; und deshalb sollen wir wieder büßen. Xavier Naidoo taucht bei einer Demo gegen Kindesmissbrauch auf. Er, der im Gottstatus weilende, demonstriert nicht für eine gute Sache mit. Egoman sucht er ein Mikrofon und verkündet, dass wir alle schon Menschenfleisch aßen, dass SIE unsere Kinder fressen, dass die Firma Lays embryonale Gewürze in hauseigene Chipstüten streut. Natürlich hat er keinen Lebensmitteltechniker an seiner Seite, der das bestätigt. Er sagt, wie alle Verschraubten: „Bis mir was anderes bewiesen wird, muss ich leider davon ausgehen." Er bettelt, wie ein böses Kind, um Ärger, also um Aufmerksamkeit. Die Welt soll ihm Beweise geben. Da er in seinem verquirlten Kopf keine Täterkreise benennen kann, meint er also, wir alle sollen verfolgt werden. Was er ganz sicher nicht mehr umreißen kann, typisches Phänomen für im Geiste gestörte Menschen, ist die Tatsache, dass seine Erzählstränge an eine christliche Steinzeit anlehnen, die Historiker in ihren Archiven hüten. Es geht Xavier Naidoo vorrangig sicher nicht um den Hass auf Juden. Er dreht sich nur um sich selbst. Er braucht Mikrofone. Er braucht Bühnen. Er will gehört werden. Die Frage ist, wie kommt er darauf, dass ich seine Theorien hören will? Weil er selbst ein Gott geworden ist. Wie wurde er Gott? Das ist absolut uninteressant. Tatsächlich sorgt er öffentlich dafür, sein Menschsein zu demontieren. Er sorgt öffentlich dafür, die Glaubwürdigkeit seiner Songs zu schrotten. Er wird öffentlich zur Witzfigur, die Medien verkaufen. Keineswegs nehmen sie seine Geschichten ernst. Für mich und meine Branche ist nur wichtig, dass er auf Kosten der Firma Lays posaunt, wie ein Bubi, der um Unterlassungsklagen bettelt. Solche abgerissenen Typen unterstellen meiner Branche, dass wir Goldzähne stehlen, aktiven Leichenhandel betreiben, den Tod, als Mafia, forcieren. Das Ergebnis ist, dass er eine Demonstration gegen Kindesmissbrauch zerstört hat, wie ein Trampel. Zu seinen Ablegern gehört die Frau Am Lokdepot, die Tote hört und weiß, dass ich sie vergiften will, dass ich sie verfolge. Sie nennt explizite Pestizide aus Brasilien. Auch sie fordert, im Geiste völlig gestört, Beweise für das Gegenteil. Ich werde sicher nicht die Realität verlassen und ihr krankes Weltbild aufräumen. Sie möchte, meist im Nachthemd bekleidet, im Mittelpunkt stehen. Sie zerstört das Ansehen ihrer eigenen Firma. Ich muss nur verhindern, dass sie meine Firma vernichtet. Nicht sie ist wichtig. Wichtig ist der Zustand der Leute im Haus, die labil, schwach und unfähig auf Resonanz gehen. Sie können aber ihre Probleme verlagern und Schuldige finden. Ich bin schuld an ihrem Neid, an ihrem Hass, an ihren sichtbar freudlosen Leben, an ihrem kaufmännischen Desaster im Haus. Die Geschichte ist so alt; und doch muss sie immer wieder vorgetragen werden. Xavier Naidoo hat einen Komplex, den die Nation nicht lösen muss. Er soll aufhören, seinen geistigen Müll in die Nation zu kippen. Er soll es für sich und seine Familie tun. Er ist so bemitleidenswert, wie eine zahnlos betrunkene Frau, die sich in der Öffentlichkeit beim Urinieren filmen lässt.