Der Perspektivwechsel

Meine Ahnen finden mich seit einiger Zeit langweilig. Sie haben schon keinen Bock mehr, mir von oben zuzusehen, wie ich in der Unterforderung verweile. Die eigenen Ahnen hört man nicht im Außen. Man hört sie im Herzen. Sie tauchen auf, wenn es Zeit ist. Besonders meine Mutter ist total bedient, weil ich an einem Ort meine Arbeit ausführe, an dem ich erstickt werden soll. Meine Großmutter schüttelt heute den Kopf über die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt: "Neun lächerliche Prozent. Was ist nur aus der SPD geworden…!? Und die CDU wird Außenseiter mit siebzehn Prozent? Da wird der Hund in der Pfanne verrückt." Es war klar, dass Herr Siegmund von der AfD gewinnen wird. Er ist jung und dynamisch. Er gab den stets gepuderten Kennedy, um ungepflegte Gegner alt aussehen zu lassen. Er fuhr Moped und tanzte mit seiner Frau, wie Obama. Sein Konterfei auf herzförmigen Plakaten könnte von Shepard Fairy sein. Er nennt seine Wähler liebe Freunde; und er bezeichnet Deutschland als unser Land. Klar wurde, dass die CDU über Wählern steht, keine Zielgruppe sah, Wähler nicht kennt. Herr Merz, ehemals BlackRock, erschien hier und da in kugelsicherer Limousine. Seine Menschenfreundlichkeit blieb sichtbar aus. Evelyn Roll sagte einst, dass Politik auch Spaß machen könnte. Diesen Spaß verbreitete der 35-jährige Herr Ulrich Siegmund mit Musik und Natürlichkeit. Das sollte jeder sehen. Die AfD stellt sich auf. Stephan Brandner, Dr. Curio, Björn Höcke sind sichtbar Antiquariat. Sie bleiben noch hinter Vorhängen. Man erkennt die US-Werbeagentur der AfD. Während tatsächlich alle Medienschaffenden, klein und groß, dem AfD-Football folgen, den Quarterback heimlich und unheimlich anhimmeln, liegt die SPD am Boden und wähnt sich im orientierungslosen Schneckenrennen. Die SPD weiß nicht mehr, wo ein Vorne ist. Die SPD ist nur noch ein vermufftes Wohnzimmer, in dem die Jogginghose zum Smoking erklärt wird. Sie hat keine Schrittmacher, keine Spielmacher. Sie hat sich die Taschen gefüllt und nun ist sie so schwer, dass die AfD nur rüberspringen muss. Sachsen-Anhalt war der Einstieg in die Oberliga. Die AfD setzt auf Gewinn. Sie wollen Gewinner machen. Berlin wird schnell die AfD wählen. Behörden marodieren, Personal fehlt. Gute Richter fehlen. Gute Staatsanwälte fehlen, gute Politiker fehlen. Eigentümer und Investoren werden schon deshalb die AfD wählen, weil die die Grunderwerbssteuer senken will. Der Immobilienmarkt wird angekurbelt, Verkäufe treiben Preise weiter in die Höhe. Es wird weiter gebaut. Die AfD wird den nächsten Quarterback ins Rennen schicken und Menschen in Berlin wählen diese Partei, weil sie ein Vorne sehen wollen, um jeden Preis. Die Ur-Berliner, die Künstler wurden bereits vertrieben. Die Linke ist altbacken:"Wir wollen nicht ein Stück Torte. Wir wollen die ganze Bäckerei." Die Linke hat nie begriffen, wie Wahlkampf klug funktioniert. Wahlkampf funktioniert nicht über Elend, über Mitleid, über Empathie. Wahlkampf führt man mit heldenhaften Gewerkschaften, mit lebendigen Handwerkskammern, mit Lebensrettern, die den ganzen Tag in Krankenhäusern den Superman und die Catwoman geben. Wahlkampf ist eine Arena, in der Humanisten glücklich gezeigt und gefeiert werden müssen. Die Linke hat keinen Ort kreiert, an dem das Verbieten verboten glücklich verläuft. Die Linke hat das Arendt`sche Es gibt kein Recht auf Gehorsam der AfD geschenkt! So dämlich kann man sein! Es geht nicht darum, die AfD zu beobachten. Es geht darum, die SPD und die Linke aufzubauen. Diese Parteien müssen entkernt und aufgebaut werden. Ein lächerliches Plakat "Gegen Mietenabzocke" wollen Eigentümer in Berlin nicht mehr lesen. Sie empfinden sich nicht als Abzocker - eher als elitärer Club ohne Ziel. Am Lokdepot wartet schon jemand, seine Immobilienplattform anzukurbeln. "Hey, da ist noch Luft nach oben."