Haltung is hot
25/07/26
In Berlin wird heute der größte PRIDE, der größte CSD seiner Geschichte zelebriert. Unglaublich viele homosexuelle Menschen zeigen, dass die Gesellschaft immer die Schlacht gewinnen wird. Den weltweiten Krieg werden immer wir gewinnen. Heute, nicht für gestern, möchte ich mich bei der gesamten berliner Polizei bedanken. Mein eigenes frühes Coming out war, trotz des § 175, der erst 1994 gestrichen wurde, nicht mehr durch Schlagstöcke gesäumt. Ich erinnere CSDs, bei denen Polizisten gerne ihren Dienst machten, sich Blumen ans Revers stecken ließen, die Menschen im Tiergarten beschützten. In London, Großbritannien, wurden die Demonstrationen von Polizisten -hoch zu Ross- gesäumt, damit die Schlagstöcke auf Kopfhöhe sichtbar waren. Im Hydepark wurden homosexuelle Menschen noch verhaftet, wenn sie Hand in Hand spazierten. Die Polizei und die Gay Community Berlins sind über Generationen verbrannt und sie sind beide wie Phoenixe aus der Asche gestiegen, jeder in seiner Bestimmung, jeder in seinem Dresscode. Für mich ist das ein Symbol für den Ausspruch von Ru Paul: "We’re all born naked and the rest is drag." In diesem Jahr wurde endlich eine Gedenkminute für die vielen Toten und Verfolgten beim Pride zelebriert. Die Angst scheint sichtbar überwunden! Die Masken scheinen endlich zu fallen; die Masken der Ironie, die Masken der Clownerie, die Masken der Parodie. Haltung is hot. Das stimmt. Diese Haltung ist vielleicht erst durch die vielen toten Kämpfer und Kämpferinnen entstanden. Das ist der Grund, sie zu ehren. Lange hat sich die Community für sie geschämt. Politiker haben diese Scham schändlich ausgenutzt. Sie haben sich als Helden produziert, um Wähler zu ziehen. Und weil sie nicht mit uns brannten, wie die Polizei, konnten sie nicht wie Phoenixe aus der Asche steigen. Ein Slogan reicht nicht, um den Schmerz zu lindern. Ein Slogan reicht nicht, um unsere Toten zu ehren. Danger Dan, der uns im Kern verstanden hat, ohne unsere DNA kennen zu müssen, befindet sich gerade im Schlachtfeld der Gesellschaft. Sein Song "Keine Angst" ist für mich eine historische Hymne. Sein Song brennt öffentlich lichterloh und viele Menschen steigen auf. Sie sagen:"Danke ZDF, wir kannten den Song überhaupt nicht. Schön ist er. Toll ist er." Viele Phönixe steigen lebendig und leuchtend auf. Sie tanzen ungefährlich. Sie sagen: "Wir sind da. Wir sind neu. Wir machen kaputt, was uns und andere kaputt macht. Wir sind wach. Wir atmen wieder." Von 1933 bis 1945 wurden ca. 50.000 Urteile gegen homosexuelle Männer gefällt. Sie kamen in Zuchthäuser und Konzentrationslager. Lesbischen Frauen, die man nicht auf die Mutterrolle trimmen konnte, wurden aus dem öffentlichen Leben gedrängt. Ihre Berufstätigkeit wurde lebensbedrohlich eingeschränkt. Sie wurden aus dem Kunstleben verdrängt, natürlich aus den Medien. Eine Selbstartikulation wurde durch eine große gesellschaftliche Schlacht unterbunden. Den Krieg haben Frauen gewonnen! Transsexuelle Menschen gibt es im Grunde bis heute nicht. Sie waren und sind noch immer Kranke und Aussätzige. In der späteren DDR flammte die Idee auf, dass Homosexualität eine Erscheinung des absterbenden Kapitalismus sei. Und so musste man nur den Kapitalismus entfernen. Echte Sozialisten können eben nicht homosexuell sein. Tokio Hotel wird deshalb so geliebt, weil die Kaulitz Familie mit Bill verbrannte. Die Kaulitz Brüder stiegen mit der Mutter aus der Asche, wie die flammenden Phoenixe. Sie sind unantastbar. Sie haben Haltung. Sie bringen Freude und Liebe in die Welt. Bill Kaulitz musste lange seine Homosexualität verschweigen, weil Konzerne glaubten, dass die Umsatzzahlen mit einem schwulen Frontsänger sinken könnten. Tom, Georg und Gustav verbrannten mit Bill. Sie stiegen, wie die Phönixe, aus der Asche. Heute sind sie unaufhaltsam. Die Politik muss heute verstehen lernen, dass Geschlagene, die wieder und wieder geschlagen werden, immer den weltweiten Krieg gewinnen werden! Jerry Maguire würde sagen: "Helft uns, euch zu helfen."